Fach- und Führungskräfte fühlen sich unvorbereitet auf Digitalisierung

Fach- und Führungskräfte sehen sich für die Umwälzungen in der Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung nicht gut vorbereitet.

München, 28.06.2017 – Allerdings erwarten sie bessere Arbeitsbedingungen. Den digitalen Recruiting-Prozess in Familienunternehmen bewerten sie als wenig zufriedenstellend. Das geht aus der neuen Untersuchung der Technischen Universität München (TUM) hervor, die im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt wurde. Rund 400 hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte mit bis zu zehn Jahren Berufserfahrung haben an der Studie teilgenommen.

Schlechte Selbsteinschätzung bei Fach- und Führungskräften

Nur die Hälfte aller Teilnehmer fühlt sich ausreichend durch ihre Ausbildung auf die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt vorbereitet. Je länger der Universitätsabschluss zurück liegt, umso schlechter die Selbsteinschätzung: Unter den Studenten und Absolventen fühlen sich knapp 46 Prozent schlecht gerüstet, bei den Berufsanfängern (Young Professionals) sind es rund 51 Prozent, bei den Berufserfahrenen (Professionals) sogar 58 Prozent.

„Die Ergebnisse spiegeln wider, dass sich die Bildungspolitik beim Thema Digitalisierung deutlich weiterentwickeln muss. Schulen und Universitäten beginnen erst jetzt, ihre Lehrpläne und Kursangebote an die Herausforderungen der Digitalisierung anzupassen“, kommentiert Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Die Untersuchung deutet jedoch auch auf Verbesserungspotenzial bei den Familienunternehmen im Recruiting-Prozess hin. Nur knapp 40 Prozent der Befragten sind mit dem digitalen Bewerbungsprozess von Familienunternehmen zufrieden. „Hier besteht Handlungsbedarf, insbesondere da diese Komponente im Wettbewerb um die besten Talente immer wichtiger wird und eine enorme Strahlkraft auf die Attraktivität als Arbeitgeber hat“, sagt Heidbreder.

Einige Aspekte der Digitalisierung schätzen die Studienteilnehmer jedoch positiv ein: Sie erwarten mehr Teamarbeit, größere Gestaltungsmöglichkeiten und eine bessere Work-Life-Balance. Als negativer Effekt wird allerdings eine erhöhte Stressbelastung befürchtet. Den scheinbaren Widerspruch – bessere „Work-Life-Balance“ und mehr Stress – erklärt Studienleiterin Prof. Alwine Mohnen als Folge der digitalen Kommunikation: „Durch E-Mail, Intranet und App fühlen sich viele unter Druck, permanent erreichbar zu sein.“ Nicht zu unterschätzen sei auch die soziale Dimension: „Es fehlt häufig die persönliche Interaktion und die damit einhergehende Anerkennung, wenn nur digital kommuniziert wird.“

Die Befragung „Fokus Digitalisierung“ ist Teil der Benchmarkstudie „Familienunternehmen als Arbeitgeber“, die seit 2006 erhoben wird. Sie zählt mit ihrem Schwerpunkt auf Familienunternehmen und einer Stichprobengröße von mehr als 2.400 Befragten zu den größten Untersuchungen in Deutschland.

» Download Sonderauswertung „Digitalisierung im Fokus“

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