GKV-Versicherte zeigen Interesse an digitalen Lösungsangeboten

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen verläuft bisher sehr schleppend. Dies gilt auch für die gesetzlichen Krankenkassen. Dabei haben digitale Angebote, die den GKV-Versicherten echte Mehrwerte bieten, Transparenz schaffen und Abläufe vereinfachen, grundsätzlich das Potenzial, die Kassenmitglieder zu begeistern und deren Weiterempfehlungsbereitschaft zu fördern.

Köln, 30.04.2018 – Zugleich weiß die Mehrheit der GKV-Mitglieder oft noch gar nicht, welche digitalen Lösungen
ihre Kasse bereits anbietet. Die gesetzlichen Krankenversicherer sind daher gut beraten, ihre Mitglieder stärker über bestehende und geplante digitale Leistungsangebote zu informieren.
Dies sind Ergebnisse aus der aktuellen Trendstudie «Digitalisierung in der GKV – Was sich Mitglieder an digitalen Lösungen von ihrer Kasse wünschen» des Marktforschungs- und Beratungsinstituts HEUTE UND MORGEN aus Köln. Repräsentativ befragt wurden 1.500 GKV-Versicherte Bundesbürger im Alter zwischen 18 und 65 Jahren.
Hoch im Kurs bei den GKV-Versicherten stehen beispielsweise Therapie-App-Lösungen (wie Migräne-, Tinnitus-, Pflege-Apps), die als besonders attraktiv und innovativ wahrgenommen werden. Stark ausgeprägt ist zudem der Wunsch der Versicherten, sämtliche Krankenkassen-Angelegenheiten über Online-Kundenportale regeln zu können. Auf wenig Gegenliebe stoßen hingegen primär werbliche digitale Aktivitäten der Krankenkassen, etwa in den Sozialen Medien.
„Die Kassenmitglieder zeigen sich mehrheitlich sehr aufgeschlossen für gute digitale Lösungen und wünschen sich deutliche Entwicklungsfortschritte bei der Digitalisierung“, sagt Tanja Höllger, Geschäftsführerin bei HEUTE UND MORGEN. „Leider gelingt es den gesetzlichen Krankenversicherern bislang zu selten, dieses Potenzial auf die Strecke zu bringen. Neben zahlreichen Regulierungen und ungenügenden Infrastrukturen ist hierfür auch eine unzureichende Kommunikation mit den Versicherten verantwortlich.“

Patientenrechte und elektronische Gesundheitsakte

Neben der Kenntnis und Nutzung einer Vielzahl digitaler Angebote und Services sowie den digitalen Wünschen der GKV-Versicherten, wurden im Rahmen der Trendstudie auch die Themen „Patientenrechte“ und „Elektronische Gesundheitsakte“ (eGA) untersucht. Hier zeigt sich: Die grundlegenden Patientenrechte sind der großen Mehrheit der GKV-Versicherten bekannt.
Genutzt wurden hier bisher am häufigsten das Recht auf freie Arztwahl (67%) und auf freie Krankenkassenwahl (53%); am seltensten das Recht auf Einsicht in die Patientenakte (19%; aktuell nur offline möglich). 18 Prozent der Befragten ist das Recht auf Einsicht in die Patientenakte bisher unbekannt.
Das Konzept der elektronischen Gesundheitsakte ist 58 Prozent der GKV-Versicherten bereits bekannt. Überdurchschnittlich gut dazu informiert sind hier freiwillig gesetzlich Versicherte, Männer, Versicherte ab 50 Jahre, chronisch Kranke und hinsichtlich der Kassenzugehörigkeit die IKKVersicherten. 90 Prozent der GKV-Versicherten beurteilen die Idee der eGA mindestens „gut“, 64 Prozent davon als „sehr gut“ oder sogar als hervorragend“.

Hohe Erwartungen an die elektronische Gesundheitsakte

Die große Mehrheit der GKV-Versicherten (88%) hofft, dass durch die eGA eine bessere medizinische Zusammenarbeit der behandelnden Ärzte und Therapeuten erfolgt (bessere Integration, Vermeidung von Doppelbehandlungen etc.). Zugleich erwarten die Versicherten mit der eGA auch selbst ein umfassenderes Bild ihres eigenen Gesundheitszustandes zu gewinnen.
Eine selbstbestimmte Verwaltung und Weitergabe ihrer Gesundheitsdaten – so wie es auch gesetzlich vorgesehen ist – trifft den Wunsch der GKV-Versicherten (75%). Zwei Drittel (69%) ist es wichtig, selbst bestimmen zu können, welche Daten auf der eGA gespeichert werden. 40 Prozent wünschen sich, persönlich via Fitnessarmband etc. gemessene Fitnessdaten (Bewegung, Ernährung etc.) mit den Gesundheitsdaten verknüpfen zu können. Zugleich zeigen sich rund 70 Prozent der GKV-Versicherten bereit, ihrer eigenen Krankenkasse ihre Gesundheits- und Fitnessdaten zum Zwecke der Früherkennung von Krankheiten und zur Diagnose schwerer Krankheiten zur Verfügung zu stellen. Zu einer persönlichen „Datenspende“ für Forschungszwecke im Dienste der Allgemeinheit sind immerhin noch 41 Prozent bereit.
Lediglich 14 Prozent der GKV-Versicherten lehnen eine Datenweitergabe an die Krankenkassen grundsätzlich ab.
„Die Bereitschaft, persönliche Gesundheitsdaten oder auch selbst gemessene Fitnessdaten zu bestimmten Zwecken an die eigene Krankenkasse weiterzugeben, ist erstaunlich hoch“, sagt Tanja Höllger. „Ob dies später auch in der Praxis der Fall sein wird, bleibt noch abzuwarten. Dies hängt nicht zuletzt von überzeugenden Transparenz-, Datenschutz- und Verschlüsselungskonzepten ab.
Einem Daten-GAU wie kürzlich bei Facebook, käme im hochsensiblen Gesundheitsdatenfeld einer Katastrophe gleich und würde die bisher überwiegend positive Wahrnehmung der eGA schnell ins Gegenteil verkehren.“