Ferrari im Autohaus

Wenn der Arzt mit dem Ferrari kommt

Ein Auto sollte zu seinem Fahrer passen. Das dachte sich wohl auch ein selbstständiger Tierarzt und leaste einen Ferrari Spider. Die Kosten des Sportwagens mit dem Pferd als Markenzeichen wollte er als Betriebsausgaben geltend machen. Doch das Finanzamt stellte sich quer.

Ferrari im Autohaus
René Dahms / pixelio.de

Ferrari zu Repräsentationszwecken

München, 17. August 2014 – Sonderlich viel gefahren war der Arzt mit dem roten Renner nicht, im Schnitt pro Jahr nur etwas über 2000 Kilometer. Immerhin hatte er ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch über die privat und die geschäftlich veranlassten Fahrten geführt. Daraus ergab sich, dass die ganz überwiegende Anzahl der Kilometer geschäftlich zurückgelegt wurden, insbesondere für mehrere Fahrten zu Fortbildungsveranstaltungen und zu einem Gerichtstermin.

Als Gesamtkosten für den Wagen errechnete der Unternehmer Kosten von jährlich rund 30.000 Euro. Den gemäß Fahrtenbuch geschäftlich veranlassten Teil dieser Kosten gab er als Betriebsausgaben an. Das Finanzamt allerdings wollte dies nicht akzeptieren. Schließlich gehöre der Ferrari weder zum notwendigen noch zum gewillkürten Betriebsvermögen des Selbstständigen. Lediglich 1 Euro für jeden tatsächlich gefahrenen Kilometer wollten die Beamten als Ausgaben anerkennen.

Sportwagen als Betriebsvermögen

Der Tierarzt klagte vor dem Finanzgericht (FG), das ihm zumindest ein bisschen entgegenkam: Im Grund bestätigte das FG zwar die Ansicht der Behörde, sprach dem Kläger aber immerhin 2 Euro pro geschäftlich gefahrenem Kilometer zu. Damit lagen die anerkannten Betriebsausgaben mit rund 4000 Euro aber immer noch weit unter den tatsächlichen Kosten für das Fahrzeug. Entsprechend gab der Kläger noch nicht auf, sondern legte gegen die Entscheidung Revision zum Bundesfinanzhof (BFH) ein.

Der bescheinigte dem Finanzamt und dem Finanzgericht einen groben Fehler. Es war rechtswidrig, das Fahrzeug nicht als Betriebsvermögen anzusehen. Dafür spricht laut Urteil sowohl die Grundmietzeit von 36 Monaten als auch die über 50-prozentige berufliche Nutzung. Der Ferrari wurde immerhin ganz überwiegend zu geschäftlichen Zwecken gefahren, auch wenn es sich bei den Fortbildungen nicht um die tierärztliche Tätigkeit im engeren Sinne gehandelt hatte. Dass ein 400-PS-Sportwagen für die unternommenen Fahrten eventuell etwas überdimensioniert und möglicherweise unangemessen ist, ändert an der Zuordnung zum Betriebsvermögen aber nichts.

Unangemessene Betriebsausgabe

Das erstinstanzliche Urteil hob der BFH aber trotzdem nicht auf. Nach § 4 Abs. 4 Einkommensteuergesetz (EStG) dürfen nämlich auch bestimmte Betriebsausgaben bei der Gewinnermittlung nicht oder nur in eingeschränkter Höhe abgezogen werden. Dazu zählen unangemessene Ausgaben, die auch die Lebensführung des Steuerpflichtigen betreffen. Nun lässt sich trefflich darüber streiten, was angemessen oder unangemessen ist.

Abgestellt wird nach ständiger Rechtsprechung hier auf einen ordentlichen und gewissenhaften Unternehmer. Hätte der unter Abwägung der Vorteile und Kosten die Ausgaben ebenfalls auf sich genommen, liegt jedenfalls keine Unangemessenheit vor. Einem Unternehmer steht dabei durchaus ein weiter Ermessensspielraum zu, welche und wie hohe Ausgaben er für seinen Betrieb tätigen will. Auch ein teurer oder schneller Wagen muss nicht unangemessen sein, selbst wenn er – wie bei einem Sportwagen meistens der Fall – nicht wirklich notwendig ist.

In dem entschiedenen Fall allerdings hielten die Richter 30.000 Euro jährlich für den Ferrari Spider, der innerhalb von 3 Jahren nur rund 20 Tage mit geschäftlichem Bezug gefahren wurde, dann doch für unangemessen. Hier schien der Repräsentationswert bei Fortbildungsveranstaltungen und der private Stolz auf den Besitz des Fahrzeugs überwogen zu haben. Als Betriebsausgaben abziehbar war demnach nur ein angemessener Teil. Den sah der BFH hier mit den 2 Euro pro beruflichen gefahrenen Kilometer als korrekt bewertet. (BFH, Urteil v. 29.4.2014, Az.: VIII R 20/12)

Armin Dieter Schmidt

Syndikus

Redakteur – Juristische Redaktion

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