zwei personen an einer Kugel aus 500 Euro Scheinen - Crowdinvesting

Crowdinvesting – Chancen im Rahmen von FinTech?

Crowdinvesting ist inzwischen keine neue Idee mehr. Schon seit 2011 sind die ersten Angebote vorhanden, und die Mikroinvestoren nehmen daran teil. Die Angebote reichen von Immobilien über Energie (vor allem alternative Energien) über Filme bis hin zur Finanzierung von Start-Ups. Nach mehr als fünf Jahren auf dem Finanzmarkt sollte es möglich sein, eine erste Bilanz zu ziehen: Wie konnte sich Crowdinvesting etablieren?

Viele Investitionen laufen noch, ansonsten gemischte Ergebnisse

Generell scheint es, als hätten die Anleger und Anlegerinnen großes Vertrauen in die Anlegeform Crowdinvesting. Die Zahlen sind steigend, es wird gerne investiert, und auch kleine und mittlere Unternehmen beteiligen sich an dieser Anlageform. Der Trend geht also nach oben. Allerdings ist Crowdinvesting auch immer wieder mit negativen Schlagzeilen aufgefallen. Es gab große Pleiten, und es gab nicht wenige davon. Ganz konkret in Zahlen sah es im August 2016 so aus: 84,3 % der Investitionen liefen noch, das waren 105,9 Mio. Euro. Rückkaufangebote gab es für 1,1 % der Investitionen, also für 1,3 Mio. Euro. Bereits zurückgezahlt waren 9 %, das entspricht 11,3 Mio. Euro. Der Ausfall lag zu dem Zeitpunkt bei 4,9 %, also bei 6,1 Mio. Euro. Völlig unbekannt war bei 0,9 Mio. Euro, also 0,8 % der Investitionen, was damit gerade passiert oder nicht passiert.

Zuerst einmal sieht es also gar nicht so gut aus, die Bilanz von 4,9 % Ausfall und nur 9 % Rückzahlung sollte Anleger und Anlegerinnen eigentlich abschrecken. Aber dem gegenüber stehen eben auch die mehr als 84 % der Investitionen, die noch laufen. Gemessen an der Vielzahl von Investitionen fällt die Anzahl an Insolvenzen im Vergleich geringer aus. Namentlich wären da zu nennen Tollabox (Lernen durch Spielen und Experimentieren), Vibewrite (Digitalisierung von Handschriften direkt beim Schreiben durch den Stift), foodieSquare (Lebensmittelversand) und Paymey (Bezahlapp). Einige der genannten sowie weitere, nicht ganz so spektakuläre Insolvenzen führten dazu, dass die eigentlich ganz gut angenommenen Produkte und Dienstleistungen inzwischen von anderen Unternehmen fortgeführt werden.

Dazu kommt, dass die Entwicklungen innerhalb der einzelnen Investitionsformen natürlich ganz unterschiedlich verlaufen. Das größte Segment sind Start-Ups: Von 62,5 Mio. Euro sind 9,7 % ausgefallen. In Immobilien sind 46,9 Mio. Euro geflossen, hier liegt die Ausfallquote bei 0,0 %. In Sachen Energie wurden 12,1 Mio. Euro investiert, auch hier liegt die Ausfallquote bei 0,0 %. Bei den KMU sieht es etwas anders aus. Von den 2,6 Mio. Euro Investitionen sind 1,8 % ausgefallen. Beim Film wurden dagegen nur 1,5 Mio. Euro investiert. Auch bei der Rückzahlung fallen die verschiedenen Segmente durchaus unterschiedlich aus: Beim Film sind bereits 67,6 % der Investitionen zurückgezahlt, bei den Immobilien immerhin 16,6 %, bei den KMU 3,1 % und bei den Start-Ups 3,6 %. Im Sektor Energie ist nichts zurückgezahlt bislang. Es scheint also, dass beim Crowdinvesting sehr genau darauf geachtet werden sollte, zu welchen Laufzeiten in welcher Branche investiert wird. Wie bei allen Anlageformen ist eine bedingungslose Empfehlung genauso falsch wie eine undifferenzierte Verteufelung. Und genau darin liegen die Chancen für Mikroinvestoren und -investorinnen.

Chancen auf dem Immobilienmarkt?

Es ist insbesondere der Immobilienmarkt, der für Kleinanleger und -anlegerinnen interessant ist. Denn Immobilien gelten traditionell als verhältnismäßig sichere Anlage, sie versprechen unter Umständen recht hohe Rendite und genießen großes Vertrauen in Deutschland. Das Betongold war bis zum Aufkommen des Crowdinvestings aber Menschen vorbehalten, die das entsprechende Kapital hatten, um diese wirklich großen Investitionen zu machen. Crowdinvesting ermöglicht Investitionen schon für zweistellige Beträge. Und genau da liegen die Chancen in der Zukunft.

Wer sich für Crowdinvesting interessiert, sollte sich aber die anbietenden Plattformen sehr genau anschauen und die Geschäftsbedingungen vergleichen. Die Plattformen stellen ganz unterschiedliche Bedingungen, und nicht alle überprüfen die eingestellten Angebote gleichermaßen gewissenhaft. Die Plattformen selbst sind nämlich letzten Endes FinTech-Unternehmen, die ihre Gewinne über Provisionen einfahren. Und die kommen auf unterschiedliche Art und Weise zusammen. So erhält Exporo eine Vergütung vom jeweiligen Projektentwickler, andere bekommen hingegen von den Kleinanlegern und -anlegerinnen ihre Provision. Mal wird die Provision für jeden neu gewonnen Anleger fällig, mal für erfolgreich vollständig finanzierte Projekte, mal für erfolgreich finanzierte und abgeschlossene Projekte. Die Bedingungen unterscheiden sich, und das müssen Anleger und Anlegerinnen einfach wissen. Es empfiehlt sich auch, auf die rechtliche Seite zu achten. Die investierten Geldbeträge sind zwar in einem gewissen rechtlichen Rahmen abgesichert, aber das Regelwerk unterscheidet sich natürlich von anderen Investitionsformen.

Welche Risiken liegen vor?

Das Risiko beläuft sich darauf, dass das investierte Geld nicht zurückgezahlt werden kann. Wer nur 20 Euro investiert, die er oder sie auch wirklich im Zweifelsfall entbehren kann, macht beim Crowdinvesting nichts falsch. Wer dagegen die letzten Ersparnisse der Familie komplett auf ein Projekt mit recht hoher versprochener Rendite setzt, handelt fragwürdig. Denn auch beim Crowdinvesting ist es so: Je höher das Risiko, desto höher die zu erwartende Rendite.

Wie hoch genau die Rendite am Ende sein wird, ist übrigens nicht klar. Es gibt zwar immer wieder recht risikoarme Projekte, bei denen die zu erwartende Rendite mehr oder weniger von Anfang an garantiert ist, aber letzten Endes lässt sich das nicht voraussehen, bevor das Projekt abgeschlossen ist. Die entsprechenden Angaben, die in den einschlägigen Online-Magazinen und auf den Plattformen zu finden sind, werden normalerweise auch entsprechend gekennzeichnet. Transparenz ist ein großes Plus, auch bei Schwarmfinanzierungen.