Game over – Insolvenz als letzte Unternehmensstufe

Kein Geld mehr. Die Vermögenswerte sind aufgebraucht. Rechnungen können nicht mehr bezahlt werden. Es folgt als letzter Schritt die Insolvenz.

 

Göttingen, 26.02.2018 – Ob Baugewerbe, Gastronomie oder Wachdienste – vor einer Insolvenz ist keine Branche 100% sicher. Aber diese gehörten im ersten Halbjahr 2017 zu den gefährdetsten Branchen.

Eine Insolvenz hat nicht nur Auswirkungen auf die Geschäftsabläufe des betroffenen Unternehmens, sondern auch Personen und Institutionen, die mit dem zahlungsunfähigen Betrieb zusammengearbeitet haben:

  • Arbeitnehmer,
  • Zulieferer
  • und Kunden

sind ebenso von einer Insolvenz betroffen.

Was ist ein Insolvenzverfahren?

Besitzt ein Unternehmen nicht mehr genügend Vermögen, um ausstehende Rechnungen zu bezahlen, spricht man von Insolvenz. An dieser Stelle wird das Insolvenzverfahren eingeleitet, mit dem Ziel dem Schuldner einen gerechten Ausgleich zu verschaffen. Dazu wird das vorhandene Vermögen aufgelistet und die Summe unter den Gläubigern gleichmäßig verteilt.

Ziel ist es nicht, das insolvente Unternehmen zu schließen, sondern, wenn möglich, zu retten. Dazu nötig ist ein Insolvenzplan.

Dass ein Unternehmen mit der Insolvenz geschlossen wird, ist heute nicht mehr an der Tagesordnung.

Und welche Insolvenzformen gibt es?

Man unterscheidet bei einer Insolvenz zwischen der Regelinsolvenz und der Verbraucherinsolvenz. Bei der Regelinsolvenz sind Firmen und Privatpersonen angesprochen. Die sogenannte Verbraucherinsolvenz kann nur von natürlichen Personen vorgenommen werden.

Die Insolvenzfähigkeit beschreibt die rechtliche Möglichkeit, Schuldner eines Insolvenzverfahrens zu sein.

Insolvenzfähig sind:

  • Juristische Personen wie GmbHs, AGs, Vereine und Stiftungen
  • Gesellschaften ohne Rechtspersönlichkeit wie GbRs, OHGs, KGs, PartGs
  • Natürliche Personen

Das Verfahren kann dann eröffnet werden, wenn es einen Insolvenzgrund gibt. Dazu zählen die eingetretene Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit oder die Überschuldung. Wer hier wissentlich vertuscht, muss mit einer Strafe wegen Insolvenzverschleppung rechnen.

Den Eröffnungsantrag bzw. das Insolvenzverfahren beantragen kann eine Gruppe verschiedener Personen, den Gläubigern. Dann handelt es sich um einen Fremdantrag. Möglich ist jedoch auch einen Eigenantrag zu stellen.

Das Verfahren ist eröffnet – und nun?

Wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, beginnt ein Prozess über zwei Phasen: das Eröffnungsverfahren und das Insolvenzverfahren.

Im Eröffnungsverfahren, welches ungefähr drei Monate in Anspruch nimmt, wird überprüft, ob die Voraussetzungen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vorliegen. Dazu werden die Insolvenzfähigkeit des Schuldners und der potentielle Eröffnungsgrund untersucht. Hintergrund ist die Erfassung des Vermögens, das eine bestimmte Höhe haben muss, um die Kosten der Insolvenz zu begleichen. Darunter fallen Gerichtskosten oder das Honorar des Insolvenzverwalters.

Sind alle nötigen Grundlagen gegeben, erfolgt der Eröffnungsbeschluss. Ab diesem Zeitpunkt verändern sich die Machtverhältnisse in einem Unternehmen. Der Betrieb darf ab dann keine eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten mehr vollziehen. Die Geschäftsleitung ist damit mit mehr Herr im Haus. Wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, übernimmt dieser die rechtlichen Befugnisse zur Leitung des Unternehmens.

Dieser prüft, bilanziert und verwaltet das Betriebsvermögen. Eine erste weitere Aufgabe ist die Auflistung der Gläubiger und ihrer Forderungen. Die Gläubiger müssen ihre Ansprüche schriftlich oder elektronisch beim Verwalter anmelden und dabei die Höhe als auch ein Grund der Schuld angeben. Eine Garantie, dass man seine Forderungen erstattet bekommt, gibt es allerdings nicht.