Beratung am Laptop

Junge Gutverdiener möchten keine Finanzberater

Junge Berufsanfänger, die gerade einmal zwischen 18 und 36 Jahre alt sind und ein überdurchschnittlich hohes Einkommen erzielen, sind natürlich die liebsten Kunden einer Bank. Und auch wenn sich die Banken um die jungen Gutverdiener bemühen, so scheint es, als würde die Beziehung, die von Seiten der Bank gewünscht wird, nicht funktionieren. Berufseinsteiger verlassen sich nämlich selten auf Bankberater, sondern vorwiegend auf sich selbst.

Nur jeder Fünfte kontaktiert den Bankberater

So sind die jungen Gutverdiener, die gerne als „Young Professionals“-Zielgruppe bezeichnet werden, keineswegs daran interessiert, sich von Bankberatern Produkte „verkaufen“ zu lassen – soweit die Ergebnisse einer Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. Geht es um die Veranlagung, so holen sie selbst Informationen ein, eröffnen eigenständig Depots und führen Transaktionen selbständig durch. Gerade einmal 22 Prozent – also jeder Fünfte der insgesamt 500 befragten Studienteilnehmer – kontaktiert eine Bank, wenn es um Veranlagungen geht. Die große Mehrheit, rund 62 Prozent, nimmt hingegen keine Beratung in Anspruch.

Blickt man auf die Ergebnisse, die durch die selbständigen Veranlagungen der jungen Gutverdiener erzielt werden, so haben diese zudem auch keinen Grund dazu: Mehr als die Hälfte, rund 57 Prozent der Befragten, gab an, in den letzten zwölf Monaten den inflationsbedingten Wertverlust des Geldes wieder hereingebracht zu haben – jeder Dritte gab an, in den letzten zwölf Monaten eine Rendite von über 3 Prozent erzielt zu haben.

Wertpapiere werden immer interessanter

Mehr als die Hälfte investiert in Aktien – 26 Prozent setzen auf ETFs, 46 Prozent besitzen Fondsanteile. Somit liegen die jungen Gutverdiener deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Vor allem scheinen die jungen Deutschen nun Gefallen an Aktien gefunden zu haben – könnte sich innerhalb der Bundesrepublik tatsächlich eine neue „Aktienkultur“ entwickeln? Bislang scheuten die Deutschen die Börse. Die Angst, dass das Geld verloren werden könnte, war höher als die mögliche Chance, am Ende sein Geld zu vermehren. Doch warum scheint nun die Börse interessanter geworden zu sein?

Die jungen Gutverdiener haben in der Regel sehr gute Finanzkenntnisse. Wer sich heutzutage gut mit Rendite, Risikostreuung und Inflation auskennt, der wird natürlich viel stärker am Kapitalmarkt investieren und seine Anlagen viel breiter streuen. All jene, die hingegen wenig über den Kapitalmarkt wissen, bleiben hingegen den traditionellen Veranlagungen treu – so etwa dem Sparbuch, wobei hier keine Gewinne mehr erwartet werden dürfen. Am Ende fressen die Gebühren und die Inflation das Geld, das zur Vermögensvermehrung auf dem Sparbuch geparkt wird, auf.

Die Tatsache, dass Sparbücher oder Tagesgeldkonten seit Beginn der Niedrigzinsphase nicht mehr attraktiv sind, hat natürlich dazu geführt, dass vor allem junge Sparer nach Alternativen Ausschau hielten. Und auch die Digitalisierung hilft beim Erlernen der nötigen Fertigkeiten: Mittels Trading Simulator können auch Unerfahrene heutzutage die Märkte kennenlernen und sich so auf die Börse vorbereiten.

Münzentürme mit Pflanzen - Kapitalwachstum
Junge Anleger sind kritisch geworden

Zwei Drittel haben angegeben, dass sie finanzielle Entscheidungen alleine treffen. Gerade einmal 15 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass ihnen ein großes Banken-Filialnetz wichtig sei. Die Ergebnisse zeigen also eindrucksvoll, dass junge Gutverdiener einerseits selbst über ihre Finanzen bestimmen wollen, andererseits auch der Meinung sind, Bankfilialen seien nicht mehr zwingend notwendig. Die Ergebnisse passen zudem auch zu den Ergebnissen der Studie, die von der Targobank in Auftrag gegeben wurde. Auch hier gaben drei von vier Teilnehmern an, dass Bankberater vorwiegend Produkte anbieten würden, an denen ausschließlich die Bank verdienen würde.