Abbrüche verhindern, Azubis passgenau unterstützen

Für Jugendliche und junge Erwachsene ist eine abgeschlossene Ausbildung die Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Der heute vom Bundeskabinett verabschiedete Berufsbildungsbericht legt jedoch offen: Mehr als jeder Vierte scheitert bei dem Versuch, diesen wichtigen Grundstock für das weitere Berufsleben zu legen. In Zeiten des Fachkräftemangels ist diese Bilanz aus Sicht der Berufsbildungswerke verheerend.

Berlin, 19.04.2018 – „Diese Zahlen sind für die Berufsbildungswerke keine Überraschung“, erklärt Michael Breitsameter, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW). „Denn jeder Vierte, der in einem Berufsbildungswerk ankommt, ist vorher in betrieblichen Ausbildungen gescheitert. Das ist vor allem bei Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen der Fall. Sie machen mittlerweile den Großteil unserer bundesweit 13 000 Teilnehmer in Berufsbildungswerken aus.“ Berufsbildungswerke seien für sie der richtige Ort, um sich zu stabilisieren und mit der notwendigen, individuellen Unterstützung einen Beruf zu erlernen. „Auch im Berufsbildungswerk gibt es keine Erfolgsgarantie, obwohl die Abschlussquote bei rund 86 Prozent (ohne Abbrecher) liegt. Denn wir haben es mit Menschen zu tun, die meist mehrere Förderbedarfe haben. Für diejenigen, die abbrechen, suchen die Ausbildungs-Teams im BBW gemeinsam mit dem Teilnehmer eine Anschlussperspektive und lassen sie nicht allein“, so Breitsameter.

Azubis brauchen passgenaue, betriebsnahe Ausbildungsangebote

Die Ergebnisse des Berufsbildungsberichts seien ein klarer Warnschuss an die Politik, der angesichts des Fachkräftebedarfs nicht ungehört bleiben dürfe. „Wer es im Betrieb nicht schafft, braucht passgenaue, alternative und vor allem betriebsnahe Ausbildungsangebote, wie sie die Berufsbildungswerke anbieten. Das gilt insbesondere für Jugendliche in schwierigen sozial-emotionalen Lebenssituationen und unabhängig davon, ob sie einen Reha-Bedarf haben oder nicht“, fordert Breitsameter. In Modellversuchen hätten Berufsbildungswerke an verschiedenen Standorten ihre Expertise für neue Zielgruppen unter Beweis gestellt. Jetzt sei es an der Zeit, dies zum flächendeckenden Angebot auszubauen.

Berufsbildungswerk Partner der Jugendlichen

Zudem zeige der Bericht, dass Arbeitgeber mehr Unterstützung im richtigen Umgang mit Jugendlichen brauchen. „Die Berufsbildungswerke sind dafür der richtige Partner. Sie haben seit vielen Jahren Erfahrung mit der Ausbildung von jungen Menschen mit Förderbedarf. Diese Expertise müssen Betriebe noch stärker nutzen können. Dafür braucht es eine solide Finanzierungsgrundlage, damit das Angebot für alle Beteiligten attraktiv und realisierbar wird“, ergänzt der Vorsitzende.