Aktuelle Rechtssprechung zum häuslichen Arbeitszimmer

Bei der Steuererklärung ist für viele die steuerliche Berücksichtigung von Kosten rund um das häusliche Arbeitszimmer der größte Abzugsposten. Durch aktuelle Rechtsprechung von Finanzgerichten ergeben sich dabei immer wieder Änderungen, die aber häufig sehr individuell ausfallen. Einige allgemeine Urteile sind aber für jeden gültig.

Göttingen, 26.05.2017 – Die Ausgaben für das häusliche Arbeitszimmer unterliegen dem Grundsatz des Abzugsverbots. Wer also Kosten steuermindernd absetzen darf, befindet sich bereits in einer Ausnahmeregelung. Nun wird es erst richtig kompliziert, da die Ausnahmen auch noch unterschiedlich unterteilt und an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind.

So muss das häusliche Arbeitszimmer beispielsweise den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellen. Nur dann können die Kosten vollständig als Werbungskosten oder Betriebsausgaben steuermindernd abgesetzt werden. Ist das Arbeitszimmer nicht der berufliche Mittelpunkt, können nur noch bis zu 1.250 Euro angesetzt werden, sofern kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Ausschließliche Nutzung als häusliches Arbeitszimmer

Der Bundesfinanzhof hat bereits 2015 entschieden (Aktenzeichen GrS 1/14), dass der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers immer die ausschließliche oder nahezu ausschließlich Nutzung für betriebliche bzw. berufliche Zwecke bedeutet.

Somit können Arbeitsecken in gemischt genutzten Räumen steuerlich nicht berücksichtigt werden – auch wenn der Arbeitsbereich durch einen Raumteiler vom sonstigen Wohnbereich abgetrennt wird. Auch Küche, Bad und Flur können nicht einmal teilweise steuermindernd bei den Werbungskosten berücksichtigt werden, da sie in die häusliche Sphäre eingebunden sind und hauptsächlich privat genutzt werden. Das gilt auch, wenn diese Räume tatsächlich beruflich mitgenutzt werden.

Höchstbetrag personen- oder objektbezogen?

Bisher ist allerdings noch nicht geklärt, ob der Höchstbetrag für die Arbeitszimmerregelung personen- oder objektbezogen ist. So hat beispielsweise das Finanzgericht Rheinland-Pfalz 2015 für einen personenbezogene Betrachtung plädiert (Aktenzeichen 2 K 1595/13), das Finanzgericht Münster dagegen für eine objektbezogene Betrachtung geurteilt hat (Aktenzeichen 11 K 2425/13 E, G).

Der Bundesfinanzhof klärt aktuell unter dem Aktenzeichen VIII R 15/15, ob bei einer personenbezogenen Betrachtung nicht die Verdopplung des Betrags von 1.250 Euro möglich ist, wenn ein Steuerzahler zwei Arbeitszimmer – beispielsweise durch eine doppelte Haushaltsführung) – nutzt.

Ebenfalls aktuell vom Bundesfinanzhof behandelt wird die Frage, ob das von einem Ehepartner allein genutzte häusliche Arbeitszimmer auch nur in Höhe seines Miteigentumsanteils abzugsfähig ist, wenn die Immobilie beiden Eheleuten gehört. (Aktenzeichen VI R 41/15)

Außerhäusliches Büro ohne Abzugsbeschränkung

Allgemein gültig ist allerdings, dass sich die Abzugsbeschränkung oder das Abzugsverbot ausschließlich auf das häusliche Arbeitszimmer beschränkt. Ein außerhäusliches Büro kann grundsätzlich unbegrenzt abgezogen werden. Liegen die Büroräume allerdings im Keller oder im selben Haus, muss individuell geprüft werden, welche Regelung greift.

So kann es sein, dass der Zusammenhang mit der häuslichen Sphäre bereits dann fehlt – und damit die Abzugsbeschränkung überhaupt nicht greift – wenn der Steuerzahler, um von seinem Wohnbereich in die Büroräume zu gelangen, das Haus oder die Wohnung verlassen muss und somit eine von anderen Personen genutzte Verkehrsfläche durchqueren muss.