Werbungskosten: Besuch bei Auswärtstätigkeit

Laut Statistischem Bundesamt muss die Hälfte aller Erwerbstätigen in Deutschland täglich zwischen 10 und 50 km zur Arbeit zurück legen. Bei besonders langen Strecken entscheiden sich Arbeitnehmer für eine Zweitwohnung in der Nähe des Arbeitsplatzes und fahren beispielsweise nur am Wochenende nach Hause zur Familie. Doch lassen sich diese Kosten auch steuerlich absetzen?

Göttingen, 21.03.2016 – Wer aus beruflichen Gründen in einer anderen Stadt lebt, kann im Rahmen der doppelten Haushaltsführung die wöchentliche Fahrt zur Familie als Werbungskosten absetzen. Sollte es aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen für den Arbeitnehmer nicht möglich sein über das Wochenende nach Hause zu fahren, kann er die Familie auch zu sich kommen lassen. Dann handelt es sich um eine sogenannte umgekehrte Familienheimfaht. Diese ist in bestimmten Fällen ebenfalls steuerlich absetzbar.

Längere Auswärtstätigkeit

Anders verhält es sich, wenn der Partner für längere Zeit auf Dienstreise ist, also keine doppelte Haushaltsführung vorliegt. Will beispielsweise die Ehefrau ihren Mann am Beschäftigungsort besuchen, können die Ausgaben nicht als Werbungskosten angerechnet werden. Zwar hatte das Finanzgericht Münster zunächst die Werbungskosten anerkannt – und zwar mit der Dienstreisepauschale, also den tatsächlichen Kosten -, doch der Bundesfinanzhof hatte dieses Urteil für ungültig erklärt  (Aktenzeichen VI R 22/14). Da keine doppelte Haushaltsführung vorliege, könne auch nicht die umgekehrte Familienheimfahrt zum Einsatz kommen.

Laut Bundesfinanzhof sei der Besuch am Beschäftigungsort rein privat veranlasst, selbst dann, wenn der Ehepartner aus beruflichen Gründen, beispielsweise weil seine Anwesenheit am auswärtigen Tätigkeitsort z.B. aufgrund einer Weisung oder Empfehlung des Arbeitgebers oder aus anderen dienstlichen Gründen erforderlich ist, nicht nach Hause fahren kann.