Steuervergünstigung bei Abfindung

Wird ein Arbeitsverhältnis beendet, besteht kein Anspruch auf eine Abfindung. Ausnahmen können in Sozialplänen oder Tarifverträgen geregelt sein. Doch wie geht man steuerlich mit einer Abfindung um?

Göttingen, 10.08.2017 – Wird ein Arbeitnehmer gekündigt und erhält eine Abfindung, stellt diese eine Entschädigung dar. Damit fällt sie steuerlich unter die „außerordentlichen Einkünfte“. Diese beinhalten eine Steuervergünstigung: Die ermäßigte Besteuerung nach der so genannten Fünftelregelung.

Damit die Fünftelregelung angewendet werden kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Abfindung muss der Arbeitgeber innerhalb eines Jahres zahlen.
  • Das Jahreseinkommen mit Abfindung muss höher sein als das Einkommen bei ungestörter Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses.

„Besonderes Ereignis“ als Entschädigungsgrund

Ein Entschädigungsgrund liegt nur dann vor, wenn es sich dabei um ein „besonderes Ereignis“ handelt. Also wenn

  • die Beendigung oder Veränderung des Arbeitsvertrages vom Arbeitgeber ausgeht oder
  • der Arbeitnehmer beim Abschluss einer Aufhebungsvereinbarung unter einem nicht unerheblichen rechtlichen, wirtschaftlichen oder tatsächlichen Druck oder mindestens in einer Konfliktlage  zur Vermeidung von Streitigkeiten gehandelt hat.

Eine Steuervergünstigung gibt es dann nicht, wenn das Arbeitsverhältnis von Arbeitnehmerseite aus freiwillig gekündigt wurde.

Dies könnte sich aber ändern. Denn aktuell hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass eine Abfindung auch dann durch die Fünftelregelung steuerbegünstigt ist, wenn der Arbeitnehmer des Aufhebungsvertrag aus eigenem Antrieb abgeschlossen hat.

Wichtig sei dabei, dass es sich um eine Konfliktsituation handelt, bei der sowohl Arbeitnehmer, als auch Arbeitgeber an den Streitigkeiten beteiligt waren und zu der Konfliktlage beigetragen hatten.