Wenn das Arbeitszimmer geteilt wird

(Ehe-)Partner teilen sich nicht nur Haus, Bett und Geld, sondern gerne auch das Arbeitszimmer. Bei der gemeinsamen Nutzung stellt sich die Frage, wer von beiden kann welche Kosten steuerlich absetzen?

Göttingen, 05.09.2016 – Als erstes müssen die Arbeitszimmerkosten berechnet und dann den Partnern entsprechend ihrem Nutzungsverhältnis zugeordnet werden. Im Anschluss wird die persönliche Abzugsberechtigung geprüft. Es gilt dabei zu unterscheiden, ob:

  1. das Arbeitszimmer der Mittelpunk der gesamten beruflichen Tätigkeit eines Ehepartners ist. Wenn das zutrifft, dann kann dieser seinen Kostenanteil in voller Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzen.
  2. ein Ehepartner das Arbeitszimmer nur nutzt, weil kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dann ist sein Kostenanteil nur bis zum anteiligen Höchstbetrag von 1.250 Euro absetzbar – bei hälftigem Nutzungsanteil also bis zu 625 Euro.

Das Finanzgericht Münster hat entschieden, dass der abzugsfähige Höchstbetrag jedem Nutzer nur anteilig entsprechend seinem Nutzungsanteil zusteht, sofern er die persönliche Abzugsberechtigung erfüllt. Es gilt dabei die objektbezogene und nicht die personenbezogene Betrachtungsweise (Aktenzeichen 11 K 2425/13 E, G).

Ein Beispiel für ein geteiltes Arbeitszimmer

Ein Ehepaar nutzt gemeinsam das häusliche Arbeitszimmer. Da die Ehefrau selbstständig ist, stellt das Arbeitszimmer für sie den beruflichen Mittelpunkt dar. Der Ehemann ist Angestellter und arbeitet im Homeoffice, da ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Nutzungsanteile liegen also jeweils bei 50 Prozent.

Das heißt, dass die Ehefrau von den Gesamtkosten des Arbeitszimmers in Höhe von 4.000 Euro ihren Nutzungsanteil von 50 Prozent, also 2.000 Euro, als Betriebsausgaben absetzen kann. Dagegen kann der Ehemann seinen Kostenanteil von ebenfalls 2.000 Euro nur mit seinem anteiligen Höchstbetrag absetzen. Dieser liegt in diesem Fall bei 1.250 Euro. Er kann also davon 50 Prozent, sprich 625 Euro, also Werbungskosten geltend machen.

Ungleiche Behandlung ist rechtswidrig

Nach geltender Rechtslage, ist folgendes Beispiel möglich: Ein Lehrerehepaar nutzt zwei kleine Räume von jeweils 14 qm als Arbeitszimmer und kann demnach zweimal bis zu 1.250 Euro als Werbungskosten absetzen. Nutzt das Ehepaar allerdings gemeinsam einen Raum von 28 qm, sind die Kosten nur einmal bis zu 1.250 Euro absetzbar, wodurch jeder Ehepartner nur 625 Euro als Werbungskosten geltend machen kann.

Derzeit läuft vor dem Bundesfinanzhof ein Verfahren (Aktenzeichen VI R 53/12), das diese ungleiche Behandlung klären soll. Denn bei objektbezogener Betrachtung liegt womöglich ein verfassungswidriger Gleichheitsverstoß vor, da durch das Einfügen einer Wand den Abzugsbetrag verdoppeln könnte. Deswegen sollten beide Möglichkeiten, dass entweder zwei getrennte oder ein gemeinsamer Raum genutzt wird, steuerlich gleich behandelt werden.

Sollten Sie von so einem Fall betroffen sein, sollten Sie für das gemeinsam genutzte Arbeitszimmer Kosten bis zum Höchstbetrag geltend machen, gegen eine Ablehnung Einspruch einlegen und mit Hinweis auf das Verfahren am Bundesfinanzhof das Ruhenlassen beantragen.