Werbungskosten für Kurse zur Persönlichkeitsbildung

Viele Kurse und Lehrgänge, die man für die berufliche Weiterbildung besucht, können auch Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die für die eigene Persönlichkeitsbildung genutzt werden können. Deswegen wollen die Finanzämter diese Ausgaben steuerlich meist nicht anerkennen. Es ist dennoch möglich Werbungskosten geltend zu machen.

Göttingen, 03.04.2017 –  Die Ausgaben für persönlichkeitsbildende Kurse sind durchaus als Werbungskosten absetzbar. Sie müssen dazu überwiegend beruflich veranlasst sein und zwei Bedingungen erfüllen:

  1. Der Kurs muss hauptsächlich auf die spezifisch beruflichen Bedürfnisse ausgerichtet sein
  2. Die Teilnehmer müssen aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit gleichgerichtete fachliche Interessen haben.

Das Finanzgericht Hamburg hat dazu nun entschieden: Kosten für Seminare mit persönlichkeitsbildendem Inhalt sind nur dann als Werbungskosten absetzbar, wenn sie auf die spezielle berufliche Situation des Teilnehmers ausgerichtet sind.

Es sei nicht ausreichend, wenn die vermittelten Inhalte im beruflichen Alltag einsetzbar sind. Besonders bei einem durchmischten Teilnehmerkreis treten ansonsten die persönlichkeitsbildenden Inhalte in den Vordergrund(Aktenzeichen 5 K 28/15).

Persönlicher Nutzen durch Kurse

Es ist nicht zu vermeiden, dass die Erkenntnisse und Befähigungen aus einem psychologisch orientiertem Lehrgang auch der privaten Persönlichkeitsentwicklung zugute kommen. Ein privater Nutzungseffekt ist unvermeidlich. Dies ist für den Werbungskostenabzug aber zu vernachlässigen, sofern die berufliche Veranlassung bei weitem überwiegt (Urteil des Bundesfinanzhofes, Aktenzeichen VI R 12/91).

Gleiche fachliche Interessen

Damit die Werbungskosten geltend gemacht werden können, ist es nicht erforderlich, dass alle Kursteilnehmer derselben Berufsgruppe angehören. Wichtig ist vor allem, dass sie aufgrund ihrer Tätigkeit gleichgerichtete fachliche Interessen aufweisen.

Das heißt, dass auch dann ein Teilnehmerkreis als homogen angesehen werden kann, selbst wenn die Teilnehmer unterschiedlichen Berufsgruppen angehören, aber beispielsweise Führungspositionen innehaben und aufgrund ihrer Leitungsfunktion von den persönlichkeitsbildenden Kursen profitieren können (Aktenzeichen VI R 44/04).