Künstlersozialabgabe vielen Unternehmen unbekannt

Wer als Unternehmer Aufträge an Grafiker, Designer oder Texter erteilt, muss für derartige Dienstleistungen die Künstlersozialabgabe zahlen. Doch vielen Unternehmen ist diese Pflichtabgabe nicht bekannt.

Berlin, 27.07.2016 – Dass Unternehmen Künstlersozialabgaben zahlen müssen, kann sich recht schnell ergeben – zum Beispiel beim Relaunch des Internetauftritts oder bei der Gestaltung neuer Werbeprospekte. Viele Unternehmen wissen jedoch nichts von dieser Verpflichtung – und laufen damit Gefahr, bei einer Prüfung nicht nur die Abgabe nachzahlen zu müssen, sondern auch Säumniszuschläge oder gar Geldbußen zu riskieren.

Seit neuestem gibt es eine Bagatellgrenze, von der Unternehmen profitieren können. Künstler, Publizisten und kreativ tätige Freiberufler genießen in Deutschland einen besonderen Status in der Sozialversicherung: Sie alle sind über die Künstlersozialkasse (KSK) gesetzlich renten-, pflege- und krankenversichert. Der Gesetzgeber will damit selbständigen Künstlern den Zugang zu einer sozialen Absicherung ermöglichen. Unternehmen, die kreative Dienstleister beauftragen, müssen sich bei der Künstlersozialkasse melden und die Abgabe bis zum 31. März des Folgejahres selbst berechnen. Danach müssen die Unternehmen monatliche Vorauszahlungen auf die Künstlersozialabgabe leisten – es sei denn, der vorauszuzahlende Betrag beläuft sich auf nicht mehr als 40 Euro.

Kein Abzug vom Honorar

Und Achtung: Unternehmen dürfen ihren Dienstleistern nicht die Künstlersozialabgabe vom Honorar abziehen – oder von Vorneherein ein geringeres Honorar ausmachen. Solche Vereinbarungen sind nichtig. Unternehmen, die sich den bürokratischen Aufwand sparen wollen, können sich einer Ausgleichsvereinigung anschließen. Die übernehmen dann die verwaltungstechnische Koordination mit der Künstlersozialkasse. Damit entfallen die Aufzeichnungspflichten für die Unternehmen – und sie müssen zumindest in diesem Punkt mit keiner Betriebsprüfung rechnen.

Unternehmen einer künstlerischen Branche auch abgabepflichtig

Natürlich müssen auch die Unternehmen, die selbst in einer künstlerischen Branche tätig sind, Abgaben an die KSK zahlen. Das heißt, alle Unternehmen, die durch ihre Organisation, besonderen Branchenkenntnisse oder spezielles Know-how den Absatz künstlerischer oder publizistischer Leistungen am Markt fördern oder ermöglichen, gehören grundsätzlich zum Kreis der künstlersozialabgabepflichtigen Unternehmen.

Dazu zählen:

  • Verlage (Buchverlage, Presseverlage etc.)
  • Presseagenturen und Bilderdienste
  • Theater, Orchester, Chöre
  • Theater-, Konzert- und Gastspieldirektionen, sowie sonstige Veranstalter, z. B. Tourneeveranstalter, Künstleragenturen, Künstlermanager
  • Rundfunk- und Fernsehen
  • Hersteller von bespielten Bild- und Tonträgern
  • Galerien, Kunsthändler
  • Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit für Dritte
  • Museen
  • Zirkus- und Varietéunternehmen
  • Aus- und Fortbildungseinrichtungen für künstlerische und publizistische Tätigkeiten (z. B. auch für Kinder oder Laien)

Auch sind Unternehmen abgabepflichtig, wenn sie sich selbst oder eigene Produkte bewerben und dabei regelmäßig oder auch nur gelegentlich Entgelte für freischaffende künstlerische oder publizistische Leistungen zahlen.

Weitere Informationen zu den Künstlersozialabgaben finden Sie hier: www.kuenstlersozialkasse.de