Chancen der Plattformökonomie nutzen

Die wirtschaftliche Bedeutung der Plattformökonomie hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Das zeigt eine neue Studie von Accenture und der G20 Young Entrepreneurs Alliance. Demnach fanden weltweit zwischen 2010 und 2015  Investitionen in Anbieter von digitalen Plattformen von fast 18 Milliarden Euro statt.

Kronberg, 28.09.2016 – Vor allem im vergangenen Jahr stieg das Interesse stark an und es wurden rund zehn Milliarden Euro in digitale Plattformen investiert und damit doppelt so viel wie in 2014. Diese Entwicklung zeigt, dass Plattformen immer mehr zu einem wichtigen Faktor der digitalen Wirtschaft werden und Start-ups wie auch etablierten Unternehmen neue Wachstumsimpulse bieten. Allerdings gehen die Experten, die für die Studie befragt wurden, davon aus, dass sich nur einer von zehn Plattformanbietern langfristig etablieren wird.

Außerdem vergleicht die Studie die 16 untersuchten Ländern in Hinblick darauf, welches besonders gute Voraussetzungen für ein anhaltendes Wachstum der Plattformökonomie bietet. Dafür wurde der ‚Platform Readiness Index‘ entwickelt, welcher sich zusammen setzt aus

  • Zahl und Engagement der vernetzten Verbraucher
  • Zugang zu IT-Fachkräften und Unternehmertum
  • technologische Infrastruktur
  • Verbreitung von offenen Innovationsmodellen (Open Innovation)
  • politische und regulatorische Rahmenbedingungen

Derzeit wird das Ranking von den USA und China angeführt. Deutschland landet hinter Indien auf Platz 5 der Standorte mit den besten Voraussetzungen für die Plattformökonomie.

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Allerdings schneidet Deutschland besonders gut bei den politischen Rahmenbedingungen (Platz 1), dem Zugang zu Fachkräften und der Unternehmerfreundlichkeit (Platz 3) ab. Die Bundesrepublik konnte mit hohen regulatorischen Anforderungen in der IT-Sicherheit und der Innovationsstärke der Wirtschaft punkten. Bei der technologischen Infrastruktur verfehlt Deutschland zwar das Treppchen, landet aber immerhin noch auf Platz 5; bei den vernetzten Verbrauchern allerdings nur noch im Mittelfeld (Platz 7). Zurückzuführen ist diese Platzierung auf zwei Faktoren. Zum einen auf die, angesichts der großen Bevölkerung, geringen Zahl von schnellen mobilen Internetzugängen und zum anderen auf die verhältnismäßig niedrigen Nutzungsrate von digitalen Inhalten wie Videos

Noch schlechter schneidet Deutschland beim Thema ‚Open Innovation‘ ab und erreicht nur den fünfzehnten und damit vorletzten Platz im internationalen Ranking. Grund dafür ist vor allem die geringe Bereitschaft von Großunternehmen, den Innovationsprozess neu zu gestalten und verstärkt mit Start-Ups zusammen zu arbeiten.

Unternehmensstrukturen auf Plattformökonomie ausrichten

„Die deutschen Unternehmen erschließen das große Potential, das in Open Innovation steckt, bisher nur unzureichend. Während die Unternehmen bei Forschung und Entwicklung bereits eng mit den hiesigen Universitäten zusammenarbeiten, werden Start-Ups längst noch nicht flächendeckend als Katalysator für Innovationen gesehen”, sagt Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture Deutschland. „Die großen Unternehmen tun sich nach wie vor schwer damit, ihr geistiges Eigentum in offenen Innovationsökosystemen zu entwickeln und mit Start-Ups auf Augenhöhe zusammen zu arbeiten.”

Deswegen raten Accenture und die G20 Young Entrepreneurs Alliance Unternehmen und Start-ups ihre eigenen Strukturen noch stärker an die Anforderungen der Plattformökonomie anzupassen. Etablierte Unternehmen sollten beim Aufbau von digitalen Plattformen nicht nur bisherige Wertschöpfungsketten abbilden, sondern auch neue Geschäftsfelder außerhalb der eigenen Branche erschließen. Außerdem müssen Unternehmen viel stärker dazu bereit sein externe Daten über offene Schnittstellen einzubinden, um so eine Plattform mit Mehrwert für die Nutzer zu schaffen. Dafür ist auch ein Umdenken im Umgang mit geistigem Eigentum und Nutzerdaten gefordert. Unternehmen sollten die generierten Daten auch anderen zugänglich machen und verstärkt darüber nachdenken, wie sie durch diese Daten Profit erzielen können.

Start-ups sollten Geschäftsmodelle anpassen

Die Autoren der Studie empfehlen Start-ups ihre Rolle in der Plattformökonomie von Beginn an klar zu definieren. Sie müssen sich die Frage stellen, ob sie als Anbieter oder Betreiber einer Plattform agieren möchten, sich als Technologie-Partner verstehen oder ob sie passende Services für bereits existierende Plattformen entwickeln wollen. Entscheidend für den Erfolg eines Start-ups in der Plattformökonomie ist außerdem eine starke Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kunden, eine anhaltende Anpassung des Geschäftsmodells an das sich ändernde Kundenverhalten sowie die Skalierbarkeit des Angebots.

„Deutschland hat gute Voraussetzungen, um in der globalen Plattformökonomie eine wichtige Rolle zu spielen”, so Frank Riemensperger weiter. „Besonders gute Chancen sehe ich bei den B2B-Plattformen, die etwa mit Daten aus vernetzten Produktionsanlagen, Landmaschinen oder anderen Industriegütern gefüttert werden. Viele deutsche Firmen wie Siemens oder Bosch haben ihre Produkte bereits digital vernetzt und sind nun dabei, die damit gewonnenen Daten für neue, gewinnbringende Geschäftsmodelle zu nutzen. Für den Wettbewerb um die Industrie-Plattformen der Zukunft haben deutsche Unternehmen beste Voraussetzungen, da sie auf ihren traditionellen Stärken bei IT-Sicherheit, Datenschutz und technisch hervorragenden Produkten aufbauen können.”