Nächster Schritt: Die Multi-Cloud

Cloud-Computing ist inzwischen bei Unternehmen nicht mehr weg zu denken, denn der Einsatz verschiedener Cloud-Lösung erhöht die Flexibilität. Der nächste Schritt ist deswegen klar: die Multi-Cloud.

Hannover, 10.02.2017 – Die Multi-Cloud ist eine Kombination aus verschiedenen Cloud-Diensten, die sich aus Anwendersicht wie ein einziger Service verhält. Damit ist sie der nächste Abschnitt im Cloud-Computing, hin zur maximal flexiblen Cloud-Lösung.

Dabei geht die Multi-Cloud Schritt weiter als die bereits viel genutzte Hybrid-Cloud. Diese erweitert lediglich eine Private Cloud um eine Public Cloud. Unternehmen nutzen dabei der Einfachheit halber dieselbe Plattform. Das heißt, wenn die Private Cloud auf VMware-Infrastruktur basiert, dann wird auch der Public-Cloud-Dienst auf VMware beruhen.

Grenzenlose Multi-Cloud

Die Multi-Cloud kennt dagegen keine solchen Einschränkungen. Sie kombiniert, je nach Bedürfnis des Unternehmens, Cloud-Dienste mit verschiedenen Deployment-Modellen. Dazu zählen Private und Public Cloud-Anbieter genauso wie die unterschiedlichen Ausprägungen von Infrastructure as a Service (IaaS) oder Platform as a Service (PaaS) und vereint sie zu einer einheitlichen Plattform. Dabei lassen sich auch verschiedene Cloud-Techniken wie VMware und Amazon AWS miteinander kombinieren.

Das Ziel der Multi-Cloud ist es, dass Anwendungen und verschiedene Dienste und Infrastrukturen – je nach Auslastung und Bedarf – parallel oder abhängig von den jeweiligen Preismodellen der Cloud-Dienste genutzt werden können.

Favorisiertes Cloud-Modell

Über ein Drittel der Unternehmen plant zukünftig den Einsatz von Cloud-Diensten von mehr als einem Anbieter. das zeigt eine Umfrage des IT-Beratungsunternehmens Crisp Research aus dem Jahr 2016. Laut einer Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC, ebenfalls aus 2016, planen bereits 86 Prozent der befragten US-amerikanischen Unternehmen einen Multi-Cloud-Ansatz, um ihre IT-Anforderungen innerhalb der kommenden zwei Jahre abdecken zu können.

Vor- und Nachteile der Multi-Cloud

Die Vorteile der Multi-Cloud gegenüber Deployment-Modellen für Cloud-Dienste, wie der Hybrid Cloud, sind u.a.:

  1. Flexibilität: Kein Cloud-Anbieter kann stets alle Bedürfnisse für alle Einsatzzwecke abdecken. Durch eine Multi-Cloud wird jeweils das passende Angebot genutzt und damit der Best-of-Breed-Ansatz verfolgt.
  2. Kein Vendor-Lock-in: Also keine Abhängigkeit von nur einem Anbieter. Das kann besonders wichtig sein, wenn dieser seinen Cloud-Dienst kurzfristig einstellt und man innerhalb kurzer Zeit seine Daten in einen anderen, passenden Cloud-Dienst transferieren muss.
  3. Ausfallsicherheit: Auch große Cloud-Plattformen von Anbietern wie Amazon, Google oder Microsoft können ausfallen. Durch eine Multi-Cloud sind nicht alle Bereiche eines Unternehmens betroffen.
  4. Performance: Je geringer die Entfernung zum Cloud-Rechenzentrum, desto geringer sind die Latenzzeiten. So können Anwendungen, die eine hohe Geschwindigkeit benötigen, auf einen nahe gelegenen Cloud-Dienst ausgelagert werden, während für andere Anwendungen ein weiter entferntes und preisgünstigeres Rechenzentrum genutzt werden kann.

Neben den Vorteilen bringt die Multi-Cloud aber auch Nachteile mit sich:

  1. Mehr Fehlerquellen: Je mehr Cloud-Anbieter und -Dienste eingesetzt werden, desto mehr Schnittstellen und damit potenzielle Fehlerquellen gibt es. Außerdem bietet der Einsatz zahlreicher Schnittstellen auch Cyberkriminellen mehr Angriffsflächen.
  2. Hoher Aufwand: Eine steigende Anzahl von Cloud-Diensten führt auch zu einem höheren Zeit- und Kostenaufwand bei deren Administration. Außerdem müssen die sich ständig ändernden Preismodelle der Cloud-Anbieter im Blick behalten und das Cloud-Management ggf. angepasst werden.
  3. Datenschutz: Jeder Cloud-Anbieter hat seine eigenen Datenschutzregeln, welche im einzelnen mit den Compliance-Anforderungen des eigenen Unternehmens abgeglichen werden müssen – vor allem wenn es um Kundendaten geht. Anders betrachtet kann aber auch für jede Compliance-Anforderung der passende Cloud-Dienst gefunden werden.

Multi-Cloud-Management benötigt

Wer eine Multi-Cloud-Strategie in seinem Unternehmen umsetzen möchte, benötigt dafür ein richtiges Multi-Cloud-Management. Nur so können die verschiedenen Cloud-Dienste nahtlos miteinander verschmelzen und auch die verschiedenen Anforderungen – allein schon beim Datenschutz – umgesetzt werden.

Nicht unterschätzt werden darf dabei der enorme Verwaltungsaufwand auch für die Rechtevergabe. Es müssen nicht nur die Zugriffsrechte für die einzelnen Cloud-Dienste geregelt werden, sondern auch für die eingesetzten Active-Directory-Services beziehungsweise deren Rechte über Konnektoren mit den Cloud-Diensten. Hinzu kommen außerdem die Zugriffsrechte für externe Mitarbeiter.

Der Mittelpunkt einer jeden Multi-Cloud ist eine Cloud Management Platform (CMP), durch die die vielen unterschiedlichen Cloud-Umgebungen verwaltet und zusammengebracht werden. Dort laufen diverse firmeninterne und externe Anwendungen. Für den Anwender bedeutet die CMP, dass er sich keine Gedanken um die verschiedenen Modelle und Rechenzentren machen muss.

Bei der Umsetzung einer Multi-Cloud-Strategie sollte sich ein Unternehmen gut vorbereiten, um bei wichtigen Aspekten wie Datenschutz, Verfügbarkeit, Stabilität und Kosten später keine bösen Überraschungen zu erleben.

Strategie für eine Multi-Cloud-Lösung

Um eine Multi-Cloud-Strategie umzusetzen, wird ein Multi-Cloud-Management benötigt, dass sich über folgende Aspekte Gedanken macht und darum kümmert:

  1. Kommunikationsströme organisieren: Damit der Betrieb von Anwendungen auf mehreren Cloud-Diensten reibungslos funktioniert, bedarf es einer ausgeklügelten cloudübergreifenden Kommunikation. Angefangen beim Monitoring, bis hin zum Backup. Mit den einzelnen Cloud-Anbietern muss geklärt werden, wie die Kommunikation mit akzeptablen Latenzzeiten und unter Gewährleistung maximaler Sicherheit, beispielsweise durch den Einsatz einer Verschlüsselung, erfolgen kann.
  2. Mobilität: Anwendungen müssen so vorbereitet werden, dass sie ohne größere Anpassung bei Bedarf von einem Cloud-Dienst zum nächsten verlagert werden kann.
  3. Zentrale Werkzeuge: Geklärt werden muss, wo und wie die notwendige zentrale Infrastruktur für die Multi-Cloud-Umgebung betrieben werden soll – also intern oder wird das Management als Service eingekauft.
  4. Anbindung von Back-Ends: Unternehmen müssen die Anbindung der Multi-Cloud-Umgebung an die eigenen betriebenen Systeme wie Back-Ends vorbereiten und den Zugriff regeln.
  5. Verfügbarkeit: Zu klären ist außerdem, welche Verfügbarkeit die einzelnen Dienste erfordern. Eine Erhöhung wird z.B. durch eine globale Lastverteilung erreicht. Aber: Je höher die Verfügbarkeit eines Cloud-Dienstes, desto höher die Kosten.
  6. Sicherheit: Welche Daten sollen eigentlich in die Cloud wandern? Zudem ist zu klären, welche Cloud-Dienste welche Daten wo speichern, ob und wann Daten verschlüsselt werden und wie der Zugriffsschutz geregelt ist.
  7. Orchestrierung: Falls im Unternehmen bereits eine Cloud Management Platform im Einsatz ist – unterstützt diese eventuell eine Multi-Cloud-Strategie?