Darf man Überstunden schätzen?

Überstunden sind Mehrarbeit, die über die normale Arbeitszeit hinaus geleistet wird. Doch in vielen Arbeitsverträgen ist nur schwammig formuliert, ob und wie Überstunden vergütet werden. Doch darf man bei Unstimmigkeiten Überstunden schätzen?

Überstundenvergütung _www.einstellungstest-polizei-zoll.de_pixelio.de
Überstundenvergütung _www.einstellungstest-polizei-zoll.de_pixelio.de

Göttingen, 01.09.2015 – Überstunden müssen nur dann vergütet werden, wenn es im Arbeitsvertrag vereinbart wurde oder wenn eine Vergütungspflicht nach § 612 I Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) besteht.

Doch auch wenn zwischen den Arbeitsvertragsparteien nicht die Absprache getroffen wurde Überstunden zu bezahlen, kann der Arbeitnehmer eine Vergütung erwarten, sofern die Überstunden auf ausdrückliche Weisung des Chefs geleistet wurden. Auch das Gehalt ist ein Indiz: Ist es eher gering, darf der Angestellte mit einer Überstundenvergütung rechnen.

Gericht darf Überstunden schätzen

Kommt es nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu Streitigkeiten, wird oft ein Arbeitsgericht eingeschaltet. Wenn es dann um die Bezahlung der Überstunden geht und diese nicht genau dokumentiert wurden, darf das Gericht diese tatsächlich schätzen – sofern unstreitig feststeht, dass der Beschäftigte auf Veranlassung seines Chefs über die normale Arbeitszeit hinaus gearbeitet hat. Schließlich wäre es unbillig, dem Angestellten eine Vergütung tatsächlich geleisteter Überstunden zu verweigern, nur weil er sie nicht auf die Minute genau dokumentiert hat.