Sabbatical-Studie: Über 87 Prozent der Deutschen wollen Auszeit vom Job

Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten, und attraktive Arbeitgeber – immer öfter suchen deutsche Arbeitnehmer nach Alternativen zur 40-Stunden Woche im Büro, denn es geht um mehr als Zufriedenheit im Job. Arbeitnehmer haben erkannt, dass Überstunden und Dauerstress einen negativen Einfluss auf Körper und Geist haben .

Göttingen, 14.08.2017 – Insbesondere haben sich die Suchanfragen nach dem Begriff „Sabbatical“ in Deutschland innerhalb des letzten Jahres um 44,6 Prozent gesteigert (Quelle: Google Trends, Stand: Juli 2017). Diese Erkenntnis hat Viking zum Anlass genommen, um eine eigene Studie durchzuführen. Wir wollten wissen, was Deutsche über das Sabbatical denken und haben zu diesem Thema 514 Arbeitnehmer befragt und vier Experten interviewt.

Eigenen Träume leben

Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologin Leila Gisin erklärt, dass die „neue Arbeitswelt heute vom „Arbeitskraftunternehmer“ spricht.“ Das heißt, dass sich Arbeitnehmende selber managen müssen. Auszeit-Expertin, Julia Patzenhauer, die auf Ihrem Blog, julie travels, über ihr eigenes Sabbatical schreibt, bestätigt, dass der „Wunsch bei vielen Generationen immer größer wird, die eigenen Träume leben zu können. Und die neuen Möglichkeiten in der Arbeitswelt, wie z. B. Teilzeitmodelle, Homeoffice oder eben auch Sabbaticals ermöglichen es den Menschen, ihren eigenen Weg zu gehen.“ Unsere Umfrage bestätigt diesen Trend. Die Mehrheit unserer Befragten (87,9 Prozent) würden gerne eine berufliche Auszeit nehmen. Fast jeder Zehnte ist sich nicht sicher und nur zwei Prozent lehnen den Gedanken ein Sabbatical zu machen ganz ab. Das Alter, Geschlecht und die Branche spielen bei den Deutschen dabei keine große Rolle; die Sehnsucht nach einer beruflichen Auszeit spiegelt sich in einem sehr hohen Maß in der Mehrheit wider. Insgesamt, würden sich mehr Frauen als Männer für ein Sabbatical entscheiden, wenn sie die Wahl hätten, denn 88,9 Prozent der weiblichen Studienteilnehmerinnen sprechen sich für eine berufliche Auszeit aus. Bei den männlichen Befragten hingegen sind es 82,4 Prozent. Ein Blick auf die Berufsfelder der Studienteilnehmer ist auch interessant, da es kaum ein Arbeitsumfeld gibt von dem Berufstätige keine Auszeit brauchen.

Sabbatical professionell begleiten

Daniela Scholl setzt sich mit Ihrer auszeitAGENTUR beruflich mit diesem Thema auseinander. Wir haben sie gefragt, wer ihren Service in Anspruch nimmt. „Ein Großteil meiner Kunden ist weiblich und über 40 Jahre alt. Einige haben harte Jahre als Alleinerziehende hinter sich und möchten sich jetzt, wo die Kinder auf eigenen Füßen stehen, wieder auf die eigenen Träume und Bedürfnisse besinnen. Andere sind kinderlos und fragen sich, ob das jetzt alles war im Leben. Einige sind müde, andere voller Tatendrang. Wenige haben kleine Kinder. Beruflich lassen sie sich nicht weiter klassifizieren. Viele kommen aus Dienstleistungsberufen, aber das ist ja heute ein Abbild der Gesellschaft. Vereinzelt sind auch Handwerker und Selbstständige dabei.“

Liegt der Drang nach einer Auszeit am stressigen Job? Die Arbeit spielt bei dieser Entscheidung zwar eine wichtige Rolle, ist jedoch unserer Umfrage zufolge nicht der Hauptgrund, wieso deutsche Arbeitnehmer gerne ein Sabbatical einlegen würden. Der Drang die Welt zu erkunden scheint sehr groß zu sein, denn 44, 3 Prozent aller Befragten würden eine berufliche Pause einlegen, um zu reisen. 20,7 Prozent würden gerne mehr Zeit für sich selber haben und die neugewonnene Freizeit ihren Hobbys widmen. 14,3 Prozent der Studienteilnehmer würden ein Sabbatical nehmen, um einem stressigen Job zu entkommen. Der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft ist sehr hoch und Dauerstress kennen viele leider nur allzu gut. Mehr Männer (17,6 Prozent) als Frauen (13,6 Prozent) möchten eine Auszeit vom stressigen Job, jedoch würden 9,5 Prozent der Frauen ein Sabbatical für eine berufliche Neuorientierung nutzen. Bei Männern wären es nur 6,8 Prozent.

Phasen zum Abschalten

Meistens ist der Grund für ein Sabbatical nicht nur, um mal abzuschalten. Eventregisseur Chris Cuhls hat den Schritt zum Sabbatical gewagt und erklärt uns seinen Grund: „Unsere Gesellschaft stoppt nicht. Es gibt keine Pause  – außer, ich nehme sie mir. In meinem Job als Eventregisseur arbeite ich sehr intensiv. Deshalb braucht es Phasen, in denen ich abschalten kann. Als Kreativer steigt mein Kopf nicht einfach in zwei Wochen Urlaub aus – dazu braucht es länger. Diese Ruhe wollte ich mir durch ein Sabbatical gönnen.“ Das bestätigt auch Arbeitspsychologin Leila Gisin. Sie weiß, „dass Körper und Geist eine gewisse Anlaufphase brauchen, um in die neuen Lebensumstände zu finden und diese dann auch optimal „auskosten“ zu können“.

 

Die Deutschen nutzen das Sabbatical zum Reisen

Einige unserer Studienteilnehmer haben den Schritt zum Sabbatical ebenfalls gewagt. Dabei sind deutliche Unterschiede zu erkennen in der Länge der beruflichen Pause zwischen Frauen und Männern. Eine Auszeit von mindestens drei und bis zu sechs Monaten scheint bei beiden Geschlechtern die beliebteste Variante zu sein. Der Großteil der Befragten, die sich für ein Sabbatical entschieden, taten dies mit dem Wunsch zu reisen. Knapp die Hälfte (48,5 Prozent) der Umfrageteilnehmer gab allerdings auch die Notwendigkeit einer Pause vom stressigen Job und eine Umorientierung im Leben als Begründung für eine Auszeit an. Auch einige unserer Experten entschieden sich, eine Reise in ihr Sabbatical zu integrieren. Julia Patzenhauer entschied sich sechs Monate durch Thailand, Australien und Neuseeland zu reisen. Sie sagt über ihre Erfahrung, dass sie das Leben nah an der Natur und die Zeit ohne Druck sehr genossen hat. Sie ist sich sicher: „Wir sollten nicht leben um zu arbeiten, sondern arbeiten um unser Wunsch-Leben finanzieren zu können. Wenn man mutig genug ist, auch sein Arbeitsleben so zu strukturieren, dass man selbst glücklich und zufrieden ist, dann hat man wirklich etwas erreicht.“

Wie Deutsche ihr Sabbatical genutzt haben

Wie Deutsche ihr Sabbatical genutzt haben

Wir haben uns gefragt, ob Unternehmen diesem Stress vorbeugen können. Dazu gibt uns Coach und Berater Carsten Alex eine klare Antwort: „Gesundheitsmanagement: Manager müssen geschult werden, damit diese die Belastungsgrenzen ihrer Mitarbeiter erkennen und denen dann gezielt entgegensteuern können. Es muss immer vorbeugend gehandelt werden, da der Mitarbeiter, der bereits krank ist, auch wenn er ein Sabbatical nimmt, immer wieder zurück in alte Muster fallen wird. Es muss also möglich sein ein Sabbatical zu nehmen, bevor man krank wird und nicht erst, wenn es zu spät ist, das ist extrem wichtig.“

Sechs Monate oder sogar ein ganzes Jahr auszusetzen, ist für viele Firmen oder auch Selbstständige einfach nicht möglich. Dafür gibt es aber alternative Lösungen. „Firmen sollten kürzere Zyklen für Sabbaticals anbieten: z.B. vier bis sechs Wochen. Der kürzere Zeitraum lässt sich besser in das Leben integrieren als eine monatelange Auszeit. Die Auszeit sollte auch nicht mit der Familie verbracht werden, sondern man sollte diese Zeit nur für sich selbst nutzen: Ich-Zeit.“, so Carsten Alex.

Die Mehrheit, die eine berufliche Auszeit gewagt hat, profitiert von dieser Entscheidung, denn 80 Prozent unserer Studienteilnehmer waren danach glücklicher, 68 Prozent hatten mehr Energie, und 66 Prozent haben sich weniger gestresst gefühlt. Interessant ist auch, dass 58 Prozent der Arbeitnehmer, die ein Sabbatical eingelegt haben zum gleichen Unternehmen zurückgekehrt sind. Diese Unternehmen profitieren daraufhin auch von motivierteren Mitarbeitern, die mit neuem Blick auf die Dinge schauen.

Nach einer ausgewogeneren Work-Life-Balance sehnen sich viele Deutsche. Eine weitere Studie, die wir vor einiger Zeit durchgeführt haben, belegt, dass sich über 50 Prozent der deutschen Arbeitnehmer einen  6-Stunden-Arbeitstag wünschen. Lesen Sie mehr über diese Studie und die Gründe dafür in unserem Blogpost zum Sechs-Stunden-Arbeitszeitmodell.

Ein Sabbatical will gut geplant sein. Daher lohnt es sich bei Zeiten alle wichtigen Dokumente, die Sie dafür benötigen, sicher, gut organisiert und griffbereit in Aktenschränken aufzubewahren.

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