Silbentrennung im Arbeitszeugnis als Geheimsprache?

Wer seinen Job quittiert – ob freiwillig oder unfreiwillig – hat immer ein Anrecht auf ein Arbeitszeugnis. Doch hinter den Formulierungen steckt eine ganz eigene Zeugnissprache. Diese scheint so weit zu gehen, dass sogar Silbentrennung ein Geheimcode sein kann.

Arbeitszeugnis  _I-vista_pixelio.de
Arbeitszeugnis
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Göttingen, 07.08.2015 – Die Gewerbeordnung schreibt vor, dass ein Arbeitszeugnis wahr und wohlwollend verfasst sein soll. Damit ist offene Kritik tabu. Arbeitgeber verwenden deswegen eine Zeugnissprache, durch die ein anderer Personalchef sofort weiß, wie die Arbeit des Bewerbers tatsächlich zu bewerten ist.

Jeder kennt inzwischen den Code für Schulnoten: „…stets zur vollsten Zufriedenheit“ steht für die Note 1 oder „“… im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ für eine Note 5. Doch auch andere Formulierungen haben eine Botschaft. So heißt „Sie verstand es, alle Aufgaben stets mit Erfolg zu delegieren“ in Wirklichkeit „Sie drückte sich vor der Arbeit, wo sie nur konnte“.

Silbentrennung als Geheimcode?

Silbentrennung im Arbeitszeugnis ist durchaus üblich. Sofern sie in korrekter Weise nach der deutschen Rechtschreibung vorgenommen wird, lässt sich daraus kein weiterer Geheimcode für das Arbeitszeugnis ableiten.

So entschied das Landesgericht Baden-Württemberg im November 2014, nachdem eine ehemalige Schulsekretärin eine Klage eingereicht hatte. In ihrem Arbeitszeugnis wurde ihr bescheinigt, dass Texte jederzeit sicher, fehlerfrei und mit entsprechendem Schriftbild erstellt hatte. Die automatische Silbentrennung hätte das aus ihrer Sicht entwertet. Sie würden mangelnde germanistische Fähigkeiten signalisieren. Das Landesgericht Baden-Württemberg entschied zu Gunsten des Arbeitgebers.