Wann kann ein Zwischenzeugnis verlangt werden?

Möchte ein Arbeitnehmer schon während des laufenden Arbeitsverhältnisses wissen, wie seine Leistungen eingeschätzt werden, kann er bei seinem Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis anfordern. Dafür gibt es allerdings keinen gesetzlichen Anspruch.

Göttingen, 16.02.2017 – Ein Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Ein Zwischenzeugnis kann er nur dann verlangen, wenn er ein berechtigtes Interesse nachweisen kann.

Sollte dieser triftige Grund nicht vorliegen, kann sich der Anspruch auf ein Zwischenzeugnis durch eine tarifliche Regelung ergeben. Ein berechtigtes Interesse liegt beispielsweise vor bei:

  • einem Wechsel des direkten Vorgesetzten,
  • einer deutlichen Veränderung der Arbeitsaufgaben am momentanen Arbeitsplatz,
  • einem Wechsel des Arbeitnehmers in eine andere Abteilung des Unternehmens,
  • einer Beförderung mit neuen Verantwortlichkeiten,
  • einer längeren beruflichen Auszeit (z. B. Elternzeit),
  • einer Betriebsübernahme,
  • einer bevorstehenden Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch einen Aufhebungsvertrag,
  • der Bewerbung um eine neue Stelle.

Auch durch eine langjährige Betriebszugehörigkeit kann sich ein Anspruch auf ein Zwischenzeugnis ergeben, nämlich dann, wenn das letzte Beurteilungsgespräch bereits sehr lange zurückliegt.

Was muss im Zwischenzeugnis stehen?

Genauso wie ein Endzeugnis kann das Zwischenzeugnis entweder einfaches oder qualifiziertes Zeugnis ausgestellt werden:

  • Das einfache Zeugnis muss über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses Auskunft geben. Es müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie dessen Anschrift benannt sein. Außerdem muss die Art der Beschäftigung möglichst genau beschrieben werden.
  • Das qualifizierte Zeugnis dagegen muss neben der Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses auch eine Beurteilung der Leistung und des Verhaltens des Arbeitnehmers beinhalten. Auch müssen die wesentlichen Informationen und Bewertungen enthalten sein, die für die Gesamtbeurteilung nötig sind.

Für den Arbeitgeber gilt dabei außerdem zu beachten, dass das Zeugnis der Wahrheit entsprechen und möglichst wohlwollend formuliert sein soll, um das Vorankommen des Angestellten nicht unnötig zu behindern.

Das endgültige Zeugnis sollte dem Zwischenzeugnis entsprechen. Kommt es zu Abweichungen, muss dies vom Arbeitgeber im abschließenden Arbeitszeugnis begründet werden.