Abmahnung erhalten – was nun?

Eine Abmahnung vom Chef und was nun? Am besten sollte sich der betroffene Arbeitnehmer an einen Anwalt für Arbeitsrecht wenden. Dieser kann umfassend beraten und klären, ob die Abmahnung berechtigt ist und ggf. Möglichkeiten zeigen, wie man sich dagegen wehren kann.

Göttingen, 15.02.2017 – Eine Abmahnung dient dem Arbeitgeber oft als Vorbereitung auf eine verhaltensbedingte Kündigung. Deswegen sollte sich der abgemahnte Arbeitnehmer schnell anwaltlichen Rat holen. Denn als erstes muss geklärt werden, ob die Abmahnung berechtigt ist oder nicht und wie schwerwiegend das vorgeworfene Fehlverhalten aus rechtlicher Sicht zu bewerten ist.

Rechtlich gesehen erfüllt eine Abmahnung mehrere Funktionen:

  1. Sie soll dem Arbeitnehmer ein bestimmtes Fehlverhalten vor Augen führen und ihn an seine arbeitsvertraglichen Pflichten erinnern.
  2. Sie dient als Warnung, als eine Art „gelbe Karte“, die signalisiert, dass es arbeitsrechtliche Konsequenzen mit sich bringt, wenn am Fehlverhalten nichts verändert wird.
  3. Sie ist eine Dokumentation des Fehlverhaltens, die in die Personalakte aufgenommen wird.

Die Dokumentation ist wichtig, da eine verhaltensbedingte Kündigung je nach Kündigungsgrund einer vorherigen Abmahnung bedarf.

Ein Beispiel: Kommt der Arbeitnehmer einmal ein paar Minuten zu spät zu seiner Arbeit, reicht dies nicht für eine Kündigung aus. Ist er aber regelmäßig unpünktlich, kann dies zu einer Abmahnung führen.

Kündigung ohne Abmahnung

Es muss nicht zwangsläufig erst eine Abmahnung erfolgen, bevor eine Kündigung ausgesprochen werden kann. Das ist dann der Fall, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nachhaltig durch das Fehlverhalten zerstört ist. Grund dafür kann Diebstahl, Verrat von Betriebsgeheimnissen oder schwere Beleidigung des Vorgesetzten sein.

Für eine Abmahnung gibt es allerdings keine strengen Formvorschriften. Sie kann auch mündlich erfolgen. Allerdings erteilen Arbeitgeber eine ernstgemeinte Abmahnung in der Regel schriftlich, falls es zu einem Rechtsstreit kommen sollte.

Wie verhält sich der Arbeitnehmer nach einer Abmahnung?

Die Reaktion des Arbeitnehmers auf eine Abmahnung sollte vom Fall abhängig ausfallen. Das heißt, es empfiehlt sich nicht immer direkt vor Gericht gegen die Abmahnung vorzugehen, da das ohnehin bereits geschädigte Arbeitsverhältnis weiter belastet werden würde. Deswegen empfiehlt es sich einen Anwalt für Arbeitsrecht aufzusuchen und von diesem beraten zu lassen.

Auf jeden Fall hat der Arbeitnehmer immer eine Recht auf eine Gegendarstellung, die dann ebenfalls der Personalakte hinzugefügt wird. Sollte die Abmahnung unberechtigt sein, kann er verlangen, dass sie aus seiner Akte entfernt wird. Sollte der Arbeitgeber dies verweigern, kann der Arbeitnehmer eine entsprechende Klage erheben.

Klage vor dem Arbeitsgericht

Viele Abmahnungen sind durchaus angreifbar. Denn der Arbeitgeber ist hinsichtlich einer ausgeprochenen Abmahnung voll beweispflichtig. Das heißt, er muss das vorgeworfene Fehlverhalten nachweisen können. In einer Abmahnung muss das vorgeworfene Verhalten außerdem konkret bezeichnet werden, da die Abmahnung sonst keinerlei Wirkung entfalten kann. Bagatellverstöße sind als Abmahnungsgrund nur dann zulässig, wenn sie gehäuft auftreten. Ein einmaliger Verstoß rechtfertigt keine Abmahnung.