Arbeitszeit – nach acht Stunden ist Schluss

Nach Feierabend oder im Urlaub schuldet der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber keine Arbeitsleistung. Doch die Arbeitstage, die tägliche Arbeitszeitdauer und die Lage der Arbeit kann vom Chef festgelegt werden.
Göttingen, 01.03.2017 – Das Weisungsrecht des Arbeitgebers wird allerdings beschränkt, damit die Gesundheit des Arbeitnehmers gewährleistet wird. Dazu existieren tarifvertragliche Regelungen, Betriebsvereinbarungen sowie gesetzliche Regelungen, die besonders Höchstarbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeiten beinhalten.
Allerdings entscheidet der Arbeitgeber die Lage der Arbeitszeit, also Beginn und Ende. Wird im Arbeitsvertrag dazu keine Regelung getroffen, ist der Arbeitgeber berechtigt im Rahmen seines Weisungsrechts die Lage der Arbeitszeit festzulegen. Der Betriebsrat hat jedoch in Bezug auf Beginn und Ende der Arbeitszeit (einschließlich der Pausen) sowie auf die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage ein Mitbestimmungsrecht.

Länge der Arbeitszeit

Im Arbeitsvertrag wird die Länge einer täglichen Arbeitszeit festgelegt. Wird dazu keine konkrete Angabe gemacht und besteht weder eine tarifliche, noch eine betriebliche Regelung, so hat der Arbeitnehmer während der üblichen Arbeitszeit im Betrieb zu arbeiten.

Zwar können Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Arbeitszeit grundsätzlich frei vereinbaren, dennoch müssen sie dabei die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes einhalten. Diese können auch nicht durch arbeitsvertragliche Vereinbarungen ausgeschlossen oder geändert werden. Zu beachten gilt:

  • Die werktägliche Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten. Sie kann nur dann auf bis zu 10 Stunden  verlängert werden, wenn innerhalb von 6 Monaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt 8 Stunden werktägliche Arbeitszeit nicht überschritten werden.
  • Besonderheiten gelten für Nachtarbeiter, also Arbeitnehmer, die aufgrund ihrer Arbeitszeitgestaltung normalerweise nachts (mehr als 2 Stunden in der Zeit von 23 bis 6 Uhr) in Wechselschicht arbeiten oder Nachtarbeit an mindestens 48 Tagen im Kalenderjahr leisten. Auch die Arbeitszeit der Nachtarbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Auch sie kann über acht Stunden hinaus auf zehn Stunden verlängert werden. Allerdings gelten dann verkürzte Ausgleichsfristen. Die Verlängerung ist nur zulässig, sofern innerhalb von einem Kalendermonat oder innerhalb von vier Wochen durchschnittlich acht Stunden täglich nicht überschritten werden.

Ruhepausen und -zeiten einhalten

Während der Ruhepausen steht es dem Arbeitnehmer frei seine Zeit so zu verbringen, wie er möchte. Dabei ist er von jeder Arbeitsverpflichtung oder Verpflichtung sich zur Arbeit bereitzuhalten, befreit.

Die Länge der Ruhepause ist abhängig von der Dauer der Arbeitszeit. Bei einer Arbeitszeit von bis zu 9 Stunden muss eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten eingehalten werden. Bei einer Arbeitszeit von mehr als 9 Stunden muss die Pause mindestens 45 Minuten betragen. Die Ruhepause kann auch in Einzelpausen von mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Länger als 6 Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.

Unter Ruhezeit versteht man die Zeit zwischen Ende der täglichen Arbeitszeit und dem Wiederbeginn. Die Ruhezeit muss mindestens 11 Stunden betragen.

Sonderregelungen für Schwangere und stillende Mütter

Für werdende und stillende Mütter gilt eine gesetzliche Sonderregelung. Ihre Höchstarbeitszeit darf 8,5 Stunden nicht überschreiten. Mehrarbeit ist ihnen grundsätzlich untersagt. Darunter versteht man jede Arbeit über 8,5 Stunden täglich oder 90 Stunden in der Doppelwoche. Schwangere Frauen unter 18 Jahren dürfen maximal 8 Stunden täglich und 80 Stunden in der Doppelwoche arbeiten.

Außerdem ist Nachtarbeit nicht erlaubt – auch nicht in Teilzeit. Als Nachtarbeit gilt die Zeit von 23.00 bis 6.00 Uhr. Allerdings gibt es für werdende Mütter in den ersten 4 Schwangerschaftsmonaten und für Stillende in einigen Gewerbebranchen Ausnahmen. Beispielsweise dürfen sie in der Gastronomie und in Hotels bis 22.00 Uhr arbeiten.

Sonderregelungen für Jugendliche

Jugendliche Arbeitnehmer sind zwischen 15 und 18 Jahre alt. Ihre tägliche Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten und sie dürfen nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich arbeiten. Die Arbeitszeit kann auf 8,5 Stunden verlängert werden, wenn dafür an einem anderen Tag die Arbeitszeit entsprechend verkürzt wird.

Darüber hinaus müssen Jugendlichen im Voraus feststehende Ruhepausen von angemessener Dauer gewährt werden. Diese müssen bei einer Arbeitszeit von 4,5 bis 6 Stunden mindestens 30 Minuten betragen und 60 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden. Die Ruhezeit beläuft sich auf 12 Stunden.

Außerdem dürfen Jugendliche nur in der Zeit von 6.00 bis 20.00 Uhr arbeiten. Ausnahmen gelten nur im Gaststätten- und Schaustellergewerbe. Dort sind Arbeitszeiten bis 22.00 Uhr möglich. In Mehrschichtigen Betrieben ist bis 23.00 Uhr erlaubt, in der Landwirtschaft ab 5.00 Uhr oder bis 21.00 Uhr. Auch für Bäckereien und Konditoreien kann bereits ab 5.00 Uhr gearbeitet werden.

Zeiterfassungsgeräte für Mitarbeiter

Nur bei Mehrarbeit besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Aufzeichnung der Arbeitszeit. Soll ein Zeiterfassungssystem eingeführt werden, muss der Betriebsrat zustimmen. Die personenbezogenen Daten, die durch das Zeiterfassungssystem gewonnen werden, dürfen vom Arbeitgeber nur so lange gespeichert werden, wie sie benötigt werden. Auch dürfen nur befugte Mitarbeiter Einsicht in die Daten erhalten. Eine dauerhafte Überwachung von Mitarbeitern durch ein Zeiterfassungssystem ist nicht zulässig und unter Umständen sogar strafbar.