Ausweitung der Mautpflicht für Lastkraftwagen

Seit 2005 gilt für LKWs ab einem Gesamtgewicht von zwölf Tonnen auf deutschen Autobahnen die Mautpflicht. Die Bundesregierung nimmt ab dem 1. Oktober 2015 auch Betreiber kleinerer LKWs in die Pflicht.

Mautpflicht Tim Reckmann_pixelio.de
Mautpflicht Tim Reckmann_pixelio.de

Göttingen, 18.06.2015 – Für die Bundesregierung ist die Maut seit 10 Jahren eine gute Einnahmequelle. Nun soll die Maut ausgeweitet werden. Ab dem 1. Juli 2015 werden 1100 neue Kilometer Bundesstraße in die Mautpflicht aufgenommen und zum 1.Oktober kommen auch kleinere LKW hinzu.

Mautpflicht für rund 160 000 neue Fahrzeuge

Ab dem 1. Oktober 2015 müssen auch LKW ab 7,5 Tonnen die Mautgebühr auf deutschen Autobahnen entrichten. Damit sind dann nicht mehr nur große Speditionen mit zusätzlichem Abrechnungsaufwand belastet, sondern auch kleinere Betriebe, denn unter die Regelung fallen auch Anhänger-Gespanne. Deutschland hat mit der Maut eine lukrative Einnahmequelle. Allein 2014 nahm der Bund 4,4 Milliarden Euro damit ein. Die von Minister Dobrindt erwarteten Mehreinnahmen von 380 Millionen scheinen den Aufwand für die Ausweitung kaum zu rechtfertigen. Auch der von der Regierung anstrebte Bürokratieabbau für Unternehmen wird damit unterlaufen.

Abrechnungsmonopol Toll Collect

Das „Monopol“ der Abrechnung liegt in Deutschland in Händen der Toll Collect. Über eine On-Board-Unit (OBU) können Speditionen ihre Mautgebühren nach gefahrenen Kilometern bargeldlos abrechnen. 820.000 Fahrzeuge sind laut Aussagen des Unternehmens mit einer OBU ausgestattet. Unternehmen, die keine On-Board-Unit in ihren Fahrzeugen einbauen möchten oder können, haben die Möglichkeit die Maut über insgesamt 3400 Maut-Terminals einzubuchen oder über ein Online-Verfahren, für das sie ihre Firma registrieren müssen, abzurechnen.

Unterschiedliche Mautsysteme in Europa

Für Speditionen und Firmen, die viel im europäischen Ausland unterwegs sind, stellt sich eine höhere Belastung. Denn viele europäische Länder verfügen zwar über ähnliche Mautsysteme wie Deutschland. Allerdings sind diese Systeme nicht einheitlich, sodass Unternehmen in diesen Fällen mit einem hohen bürokratischen Aufwand bei der Abrechnung der Maut konfrontiert sind. Bislang bietet Aral mit der Aral CardTruck dafür eine Lösung an. Über eine Art Prepaid-Karte können die Kunden bargeldlos in den BeNeLux-Staaten, Deutschland, Italien, Österreich, Portugal, Polen, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, in der Tschechischen Republik sowie in Weißrussland ihre fällige Maut zahlen. Lediglich in Frankreich funktioniert das Bezahlen mit der Karte nicht.

Zeitdruck in allen Bereichen

Gerade wegen der sehr kurzfristigen Verabschiedung des Gesetztes und des Inkrafttretens am 1.Oktober 2015 hat Toll Collect das Problem, die neuen LKWs fristgerecht zu registrieren. Denn die neuen Kunden müssen nicht nur registriert sondern es muss auch die Zahlungsabwicklung eingerichtet werden. Zusätzlich müssen eventuell On-Board-Units in Fahrzeuge eingebaut werden. Dies ist ein großes Unterfangen. Denn zu den neuen Mautpflichtigen gehören auch viele kleine und mittelständische Unternehmer etwa aus dem Handwerks-, Bau- und Gartengewerbe. In Deutschland sind rund 160 000 Fahrzeuge von der Neureglung betroffen. Gerade weil der Einbau der On-Board-Unit kostenpflichtig ist, dürften viele kleinere Unternehmer noch vor diesem Schritt zurückschrecken, zumal er nicht zwingend notwendig ist.