Mindesttemperaturen am Arbeitsplatz?

Der Winter bringt kalte Temperaturen mit sich. Doch wenigstens muss man drinnen nicht frieren. Oder doch? Was ist wenn der Chef nicht genügend heizt? Dabei stellen sich Arbeitnehmer schnell die Frage: Gibt es Mindesttemperaturen am Arbeitsplatz?
Göttingen, 02.02.2017 – Es gibt tatsächlich Mindesttemperaturen, die am Arbeitsplatz eingehalten werden müssen. Der Arbeitgeber steht laut seiner arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht in der Verantwortung, dass die Beschäftigten unter gesundheitsgerechten Bedingungen arbeiten können. Allgemein heißt es dazu in der Arbeitsstättenverordnung, dass in Arbeitsräumen während der Arbeitszeit „eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur“ vorhanden sein muss. Genauer festgelegt werden diese Anforderungen in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten. Abhängig ist die Mindesttemperatur am Arbeitsplatz von der schwere der durchzuführenden Arbeiten. Das heißt: Je schwerer eine Arbeit, desto geringer die Mindesttemperatur.

Mindesttemperaturen von 12 bis 20 °C

Je nach Arbeitsstätte gelten unterschiedliche Mindesttemperaturen. Diese bewegen sich zwischen 12 und 20 °C. Genauer aufgeschlüsselt bedeutet dies:
  • 20 °C für sitzende leichte Tätigkeiten mit gelegentlichem Gehen (z. B. Büroarbeit),
  • 19 °C für leichte stehende oder gehende oder mittelschwere sitzende Tätigkeiten (z. B. Arbeiten an der Werkbank),
  • 17 °C für mittelschwere stehende oder gehende Tätigkeiten (z. B. Montagearbeiten),
  • 12 °C für schwere stehende oder gehende Tätigkeiten (z. B. das Tragen und Heben von Lasten).

Mindesttemperaturen in anderen Räumen

Für Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räume gilt während der Nutzungsdauer eine Lufttemperatur von mindestens 21 °C. In Toilettenräumen darf die Lufttemperatur kurzzeitig überschritten werden, sofern sie vom Benutzer ausgelöst werden. Diese Mindesttemperatur gilt auch für stationäre Toilettenanlagen, die für Beschäftigte bei Arbeiten im Freien oder für gelegentlich genutzte Arbeitsstätten eingerichtet werden. In Waschräumen, in denen Duschen vorhanden sind, muss die Lufttemperatur während der Nutzungsdauer sogar mindestens 24°C betragen.

Was tun bei zu kalten Räumen?

Der Arbeitnehmer hat trotz der Arbeitsstättenverordnung kein automatisches Recht darauf seine Arbeit bei zu geringen Raumtemperaturen zu verweigern oder zu verkürzen. Er kann auch nicht ohne Absprache mit dem Arbeitgeber seine Arbeiten zu Hause (z.B. in einem Home Office) erledigen. Allerdings kann er vom Arbeitgeber verlangen geeignete Maßnahmen zu treffen, damit dieser seiner arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht nachkommt – beispielsweise durch Wärmestrahlungsheizung, Heizmatten oder organisatorische Maßnahmen wie Aufwärmzeiten. Bei einer defekten Heizung muss sich der Chef unverzüglich um Handwerker kümmern.

In absoluten Ausnahmefällen kann es allerdings dazu kommen, dass die Fortführung der Arbeit nicht möglich ist. Dazu kann es kommen, wenn der Arbeitgeber keine Maßnahmen zum Schutz vor den niedrigen Temperaturen unternimmt und für den Arbeitnehmer ein tatsächliches Gesundheitsrisiko besteht.

Den Nachweis von gesundheitlichen Beeinträchtigungen muss der Arbeitnehmer durch ein ärztliches Attest führen. Kann er diesen Nachweis nicht erbringen und legt dennoch seine Arbeit nieder, muss er mit einer Abmahnung oder sogar fristlosen Kündigung rechnen.

Der Betriebsrat ist gefragt

Gibt es einen Betriebsrat, so hat dieser zu überprüfen, ob die gesetzlichen Bedingungen eingehalten werden. Dabei kann er vom Arbeitgeber die erforderlichen Auskünfte verlangen. Unterstützung findet er von Fachleuten für die Arbeitssicherheit. Werden die Mindesttemperaturen nicht eingehalten, so kann er vom Arbeitgeber die erforderlichen Maßnahmen verlangen und bei deren Umsetzung mitbestimmen.

Besonderer Schutz für Schwangere und stillende Mütter

Einen besonderen gesetzlichen Schutz genießen Schwangere und stillende Mütter. Laut des Mutterschutzgesetzes dürfen sie nicht arbeiten, wenn die Kälte zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Sollte in den Arbeitsräumen die Mindesttemperaturen nicht erreicht werden, können sie an einem anderen Ort weiter arbeiten oder sogar eine Freistellung im Rahmen eines Beschäftigungsverbots verlangen. Allerdings muss auch hier das gesundheitliche Risiko durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden.