Über­stunden in der Ausbildung

Es gibt immer wieder Arbeitgeber, die ihre Azubis ausnutzen und sie mehr arbeiten lassen, als in ihrem Arbeitsvertrag geregelt ist. Diese Arbeitszeiten müssen eingehalten werden, denn sie richten sich in der Regel nach einem Tarifvertrag.

Göttingen, 31.03.2017 – Durch das Jugendarbeitsschutzgesetz ist geregelt, dass Auszubildende, die noch nicht volljährig sind, maximal 40 Stunden pro Woche, volljährige Azubis maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen. Allerdings gilt dennoch: Die im Arbeitsvertrag vereinbarte Arbeitszeit ist einzuhalten. Alles was darüber hinaus geht, sind Überstunden.

Minderjährige Auszubildende dürfen laut § 21 des Jugendarbeitsschutzgesetzes überhaupt nur dann Überstunden machen, wenn vorübergehende und unaufschiebbare „Arbeiten in Notfällen“ zu erledigen sind und „soweit erwachsene Beschäftigte nicht zur Verfügung stehen“. Der Freizeitausgleich muss dann in den folgenden drei Wochen stattfinden.

Überstunden sind freiwillig

Auszubildende müssen nicht mehr arbeiten, als in ihrem Arbeitsvertrag festgelegt ist. Diese Zeiten reichen, um den Ausbildungsinhalt zu vermitteln. Kommt es doch einmal zu Überstunden, so müssen diese immer dem Ausbildungszweck dienen, d.h. ein Ausbilder muss anwesend sein und es dürfen keine ausbildungsfremden Tätigkeiten durchgeführt werden.

Sollte der Betrieb die Überstunden nicht genau aufzeichnen, so sollte der Azubi sie genau erfassen. Er sollte nicht nur die Dauer, sondern auch was er mit wem wo gemacht hat. Werden diese Informationen zusammen mit den Schichtplänen aufbewahrt, können die Überstunden auch rückwirkend noch geltend gemacht werden – sogar nach Ausbildungsende.

Gewerkschaft oder Rechtsanwalt fragen

Für Auszubildende sind nur eine bestimmte Zahl Überstunden zulässig. Werden diese überschritten, kann das verschiedene Folgen haben. Zum einen kann dadurch die Leistung in der Berufsschule nachlassen und zum anderen können sie sogar zu einem Risiko werden. Nämlich dann, wenn während der Überstunden ein Arbeitsunfall passiert. Die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft zahlt unter Umständen dann nicht.

Viele Azubis trauen sich nicht rechtlichen Rat einzuholen, aus Angst ihren Ausbildungsplatz zu verlieren. Sollte es aber zu anhaltenden Verstößen gegen die gesetzlichen Bestimmungen kommen, sollte sich der Azubi bei der zuständigen Gewerkschaft oder von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Der Azubi kann den Betrieb sogar bei der Gewerbeaufsicht melden, wenn dieser sich nicht an das Arbeitszeit- oder Jugendarbeitsschutzgesetz hält.

Ausgleich für Überstunden

Minderjährige Auszubildende dürfen maximal 8 Stunden am Tag arbeiten, diese können auf 8,5 Stunden erhöht werden, wenn noch in der selben Woche für Ausgleich gesorgt wird. Allerdings darf der Azubi auch vorarbeiten, wenn er dadurch einen ganzen Tag frei erhält z.B. in Kombination mit einem Feiertag. Dieser Ausgleich muss aber innerhalb von 5 Wochen erfolgen. Außerdem müssen zwischen zwei Arbeitstagen immer mindestens 12 Stunden liegen.

Volljährige Auszubildende dürfen ebenfalls maximal 8 Stunden pro Tag arbeiten, in Ausnahmefällen können es auch 10 Stunden werden.

Laut §17 des Berufsbildungsgesetzes heißt es: „Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung ist besonders zu vergüten oder durch entsprechende Freizeit auszugleichen.“ Die Vergütung erfolgt nach der Ausbildungsvergütung und kann beispielsweise in einer schriftlichen Vereinbarung geregelt werden.

Berufsschulzeit ist Arbeitszeit

Für den Besuch der Berufsschule müssen Azubis vom Betrieb freigestellt werden. Die Berufsschulzeit wird als Arbeitszeit gerechnet.

Bei minderjährigen Auszubildenden gilt folgende Rechnung: Ein Berufsschultag, der mehr als 5 Unterrichtsstunden dauert, wird einmal die Woche mit 8 Zeitstunden auf die Arbeitszeit angerechnet. Bei zwei Schultagen pro Woche, wird beim zweiten Tag nur die Unterrichtszeit einschließlich der Pausen gerechnet. Beim Blockunterricht gilt: Besteht eine Unterrichtswoche aus mindestens 25 Stunden und sind diese auf 5 Tage verteilt, wird die Woche mit 40 Stunden auf die Arbeitszeit angerechnet.

Bei volljährigen Azubis sieht es etwas anders aus. Es ist zulässig, dass sie nach dem Unterricht noch in den Betrieb zurück kehren. Sie dürfen dann aber nicht länger arbeiten als die üblichen Betriebszeiten. Auch werden die Pausen in der Berufsschule und die Wegezeiten zwischen Berufsschule und Betrieb mitberechnet. Wäre der Azubi nach dieser Rechnung weniger als 20 Minuten im Betrieb, kann keine Rückkehr nach dem Unterricht dorthin verlangt werden.

Ein Problem gibt es, wenn sich die Zeiten von Berufsschule und Arbeitszeit im Betrieb nicht überschneiden. Denn die Unterrichtszeiten können nur dann angerechnet werden, wenn sie mit den regulären Arbeitszeiten zusammen fallen.