Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Aktuell beschreiben unter „#MeToo“ online viele Frauen und auch einige Männer ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung, Übergriffen und Sexismus. Doch welche rechtliche Möglichkeiten gibt es für Arbeitnehmer? Eine kleine Übersicht.

Göttingen, 26.10.2017 – Leider gehört sexuelle Belästigung immer noch zum traurigen Alltag. Auch der Arbeitsplatz ist davon nicht ausgenommen.

Sexuelle Belästigung ist eine Straftat und laut Antidiskriminierungsstelle des Bundes greifen je nach Vorfall verschiedene Paragrafen. Angefangen bei Beleidigung und übler Nachrede, bis hin zu Belästigung, sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Zusätzlich sind Arbeitnehmer vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und dem jeweiligen Landesgleichstellungsgesetz geschützt. So verbietet das AGG sexuelle Belästigung als Form geschlechterbezogener Diskriminierung – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung und Position.

Wo sexuelle Belästigung anfängt

Unerwünschte Berührungen, aufgedrängte Küsse, Exhibitionismus oder sogar Nötigung sind eindeutige Fälle von sexueller Belästigung. Doch sie beginnt schon früher, so der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zum Thema sexuelle Belästigung. Auch Blicke, Gesten oder Worte zählen dazu. Starrt ein Kollege in den Ausschnitt, pfeift hinterher oder gibt sexistische Witze, Kosenamen wie „Süße“ oder zweideutige eMails von sich, gilt das ebenfalls schon als sexuelle Belästigung.

Spricht man den Kollegen drauf an, heißt es in vielen Fällen „Das war doch nur Spaß“, „War doch nicht so gemeint“ oder „Man wird doch wohl noch ein Kompliment machen dürfen“. Laut Antidiskriminierungsstelle wissen die Täter in der Regel aber sehr genau, wann sie mit ihrem Verhalten eine Grenze überschreiten. Die Betroffenen sollten sich davon nicht verunsichern lassen und schon gar nicht die Schuld bei sich suchen. Stattdessen sollten sie sich wehren. Denn spätestens wenn die Belästigung nicht aufhört und keine Einsicht beim Täter erfolgt, ist der Fall klar.

Was tun bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

„Nein!“ zu sagen, ist in der Regel effektiver, als die Vorfälle einfach zu ignorieren, so der DGB. Am besten sollten die Betroffenen die Fälle dokumentieren und dann deutlich benennen. Wenn möglich mit Hilfe von Kollegen als Zeugen. Wer sich das nicht zutraut oder keinen Erfolg beim Täter hat, sollte sich umgehend an seinen Arbeitgeber wenden. Der muss solche Beschwerden ernst nehmen und mit seinem Handeln den Mitarbeiter vor weiterer Belästigung schützen. Ansonsten würde er seine Dienstpflicht verletzen. Der Täter kann beispielsweise abgemahnt oder sogar gekündigt werden, abhängig von der Schwere der sexuellen Belästigung.

Wichtig: Wer sich wegen sexueller Belästigung beschwert, darf deswegen im Job nicht benachteiligt werden!

Was tun, wenn der Arbeitgeber nicht hilft?

Schreitet der Arbeitgeber nicht ein oder ist selbst an der sexuellen Belästigung beteiligt, stehen dem betroffenen Arbeitnehmer verschiedene Anlaufstellen zur Verfügung, um sich zu schützen und zu wehren. Angefangen bei der AGG-Beschwerdestelle, über den Betriebsrat, bis hin zum Gleichstellungsbeauftragten. Ist keine dieser Anlaufstellen vorhanden, rät der DGB dazu sich an die Berufsgenossenschaft oder Kammern zu wenden oder sich gleich einen Anwalt zu nehmen. Die Antidiskriminierungsstelle hilft mit telefonischer Beratung weiter.