Unterschrift unterm Arbeitszeugnis

Die Unterschrift unterm Arbeitszeugnis darf weder schief, noch krakelig sein. Andernfalls könne es den Anschein erwecken, dass der Arbeitgeber sich vom beurteilten Arbeitnehmer distanzieren möchte. 

Hamm, 09.02.2017 – Nachdem das Arbeitsverhältnis zwischen einer technisch-kaufmännischen Angestellten und ihrem Arbeitgeber durch einen Gerichtsvergleich beendet wurde, ist die Frau trotz des wohlwollend qualifizierten Zeugnis nicht mit der Unterschrift einverstanden.

Sie hatte den Verdacht, dass ihr ehemaliger Arbeitgeber durch die Unterschrift eine negative Wertung in das Zeugnis bringen wollte und ging erneut vor Gericht. Und war wieder erfolgreich. Denn in dieser ersten Zeugnisfassung hatte nicht der Geschäftsführer selbst, sondern der Personalreferent.

Weder schief, noch krakelig

Die zweite Fassung wurde zwar vom Ex-Chef selbst unterzeichnet, doch die Unterschrift wirkte gekritzelt. Dies sei aufgrund eines erlittenen Schlüsselbeinbruchs der Fall, so die Begründung.

Nachdem im zweiten Zeugnisstreit ein Zwangsgeld von 1.000 Euro gegen den Geschäftsführer verhängt wurde, gab es eine dritte Zeugnisfassung. Doch auch hier bemängelte die Frau die Unterschrift. Dieses Mal verlaufe sie auffallend schräg nach unten und nicht parallel zum Text. Dies erwecke den Anschein, dass ihr ehemalige Arbeitgeber sich vom Text distanzieren wolle.

Doch ihr Ex-Chef war der Ansicht, dass es reichen müsse, dass er die Zeugnisse selbst unterschrieben habe. Eine Unterschrift, die auch gefalle, könne nicht verlangt werden.

Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm

Das sah das Landesarbeitsgericht Hamm allerdings anders und entschied in diesem erneuten Rechtsstreit zugunsten der früheren Mitarbeiterin. Die Begründung lautete, dass eine diagonal zum Zeugnistext verlaufende Unterschrift regelmäßig Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Erklärenden begründen würde, denn eine solche Form der Unterschrift ist im Rechtsverkehr völlig unüblich.

Der Arbeitgeber entgegnete, er habe die letzten beiden Zeugnisse eigenhändig unterschrieben. Das reiche aus. Die frühere Mitarbeiterin könne keine Unterschrift verlangen, die ihr auch gefalle.

Zweifel entwerten das Arbeitszeugnis

Ein objektiver Betrachter eines solchen Zeugnisses stellt sofort fest, dass mit der Unterschrift etwas nicht stimmt und macht sich deshalb Gedanken über den Grund einer derartigen Unterschrift. Diese Zweifel entwerten ein ansonsten positives Zeugnis, da eine schief verlaufende Unterschrift als Distanzierung zum Inhalt verstanden werden kann.

Die Arbeitnehmerin hat damit einen Anspruch auf ein Zeugnis mit einer ordnungsgemäßen Unterschrift. Das heißt parallel zum Text. Auch ein Zwangsgeld in Höhe von 1.000 Euro hielten die Richter für angemessen.

LAG Hamm, Beschluss vom 27. 7. 2016, 4 Ta 118/16