Von der Arztpraxis zur Arbeitsstätte: ist das ein versicherter Wegeunfall?

Wer während der Arbeitszeit schnell zum Arzt muss, beeilt sich in der Regel. Was aber, wenn auf dem Weg vom Arzt zur Arbeitsstätte ein Unfall passiert, bei dem der Arbeitnehmer so schwer verletzt wird, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Das Bundessozialgericht hat darüber geurteilt, ob es sich um einen sogenannten Wegeunfall, handelt.

Göttingen, 21.11.2016 – Das Bundessozialgericht hat mit einem Urteil entschieden, dass es sich nicht um einen Wegeunfall handelt. Die gesetzliche Unfallversicherung ist somit nicht eintrittspflichtig.

Die Begründung des Urteils erklärt, dass ein versicherter Betriebsweg nun dann gegeben ist, wenn der Weg im unmittelbaren Betriebsinteresse zurückgelegt wird. Das ist bei einem Arztbesuch, wenn er im eigenen Interesse und ohne arbeitsrechtliche Verpflichtung erfolgt, nicht der Fall.

Ein versicherter Weg zur Arbeit ist dann gegeben, wenn man sich auf dem direkten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte befindet. Das was im vorliegenden Fall nicht gegeben war.

Unfallversicherung besteht bei angemessenem Ort

Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts besteht der Unfallversicherungsschutz auf dem Weg zur Arbeitsstätte von einem anderen Ort als dem der Wohnung unter anderem dann, wenn der Aufenthalt an diesem sogenannten dritten Ort – hier der Arztpraxis – „angemessen“ ist. Das heißt, die Länge des (Um-)Weges muss in einem adäquaten Verhältnis zum normalerweise zurückgelegten Weg stehen. Außerdem muss ein Zusammenhang zwischen dem Weg zu oder von dem dritten Ort und der Tätigkeit im Betrieb bestehen und der geplante Aufenthalt an dem dritten Ort muss mindestens zwei Stunden dauern. Im vorliegenden Fall hielt sich der Geschädigte nur 40 Minuten beim Arzt auf.

Kann der geschädigte Arbeitnehmer trotzdem auf eine Entschädigung hoffen? Wer unverschuldet in einen Verkehrsunfall gerät, z.B. weil ihm die Vorfahrt genommen wird, hat zivilrechtliche Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadensersatz gegen den Unfallgegner. Es ist wichtig, diese Ansprüche möglichst schnell mit Hilfe eines spezialisierten Anwalts geltend zu machen. So gerät man nicht in finanzielle Not, beispielsweise dann, wenn man so lange krank ist, dass man auf Krankengeld angewiesen ist, das nur ca. 70 % des Gehalts ausmacht.

Der Artikel ist erschienen www.dasd-aktuell.de.