Wertersatz im Online­handel möglich

Dem Käufer im Online­handel oder bei Verträgen außerhalb von Geschäfts­räumen steht ein Widerrufsrecht von 14 Tagen zu. Gründe für die Rückgabe müssen nicht genannt werden, um den vollständigen Kaufpreis zurück zu erhalten. Doch übersteigt ein Warentest die Grenzen des Zulässigen, kann das Unternehmen Wertersatz verlangen.

Göttingen, 21.11.2016 – Der Bundesgerichtshof entschied, dass der Käufer die Ware nur in dem Rahmen testen darf, wie es auch stationär im Handel möglich wäre (Bundesgerichtshof, Urteil vom 12.10.2016, Az. VIII ZR 55/15). Führt der Test zur Verschlechterung der Ware und geht über das hinaus, was im Geschäft möglich wäre, ist grundsätzlich Wertersatz zu leisten. In diesem konkreten Fall ging es um den Kauf, Einbau und Test eines Katalysators (s.u.).

Das heißt, neben dem bloßen in Augenschein nehmen, kann eine Ware auch auf Funktionalität getestet werden. Beispielsweise, ob bei einem DVD-Player auch alle beschriebenen Funktionen durchgeführt werden können.

Einen Anspruch auf Wertersatz hat ein Unternehmen aber nur dann, wenn der Käufer vor dem Kauf darüber rechtzeitig, also spätestens am Tag des Kaufs, und vollständig informiert wurde. Fehlt die Widerrufs­belehrung oder ist sie fehlerhaft, kann der Anspruch auf Wertersatz entfallen.

Beispiel für Wertersatz im Online­handel

Ein Verbraucher hatte bei einem Unternehmen online einen Katalysator inklusive Montagesatz für rund 390 Euro gekauft. Er ließ diesen Katalysator fachgerecht einbauen und stellte bei der anschließenden Probefahrt fest, dass die Leistung seines Autos verringert war. Daraufhin widerrief er den Kaufvertrag fristgerecht und schickte den Katalysator zurück.

Das Unternehmen forderte Wertersatz, da der Katalysator durch den Einbau und die Probefahrt deutliche Gebrauchsspuren aufwies und über das normale Testen in einem stationären Geschäft hinaus ging. Der Wertersatz wurde deswegen mit dem zurück zu zahlenden Kaufpreis verrechnet. Der Käufer klagte und wollte den vollständigen Kaufpreis erstattet bekommen. In letzter Instanz gab der Bundesgerichtshof dem Unternehmen recht.