Arbeitsgruppe „Mehr Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen“

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, hat am Freitag zusammen mit Frau Susanne Klatten (UnternehmerTUM GmbH), Herrn Andreas Preuß (Deutsche Börse AG) und Herrn Jürgen Fitschen (Deutsche Bank AG) die Ergebnisse der im letzten Jahr gegründeten Arbeitsgruppen des Round Tables „Mehr Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen in Deutschland“ vorgestellt. 

Arbeitsgruppe "Mehr Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen" _Foto: BMWi
Arbeitsgruppe „Mehr Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen“ _Foto: BMWi

Berlin, 28.09.2015 – Die Arbeitsgruppen empfehlen, dass sich der Börsenstandort Deutschland zum Ziel setzen sollte, pro Jahr durchschnittlich 15-20 Börsengänge von Wachstumsunternehmen zu realisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, empfehlen die Arbeitsgruppen u. a., eine Taskforce „IPO“ mit Marktakteuren einzurichten, den sog. Freiverkehr als nicht öffentlich reguliertes Börsensegment auf die besonderen Bedürfnisse junger Wachstumsunternehmen weiter zu entwickeln, Trainingsmaßnahmen für potenzielle Börsenaspiranten anzubieten, administrative Erleichterungen beim Börsengang vorzunehmen, Börsenprospekte zu verschlanken sowie einen eigenen Börsenindex für junge Wachstumsunternehmen zu entwickeln. Dieser soll zusätzlich zu der Plattform „Deutsche Börse Venture Network“ entwickelt werden, die bereits am 11. Juni 2015 als erste konkrete Maßnahme des Round Table aufgelegt worden war und den Austausch zwischen Investoren und Unternehmen fördert. Im steuerlichen Bereich fordern die Arbeitsgruppen die Bundesregierung auf, sicher zu stellen, dass bei der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen aus Streubesitz Mehrbelastungen vermieden werden und dass steuerliche Verlustvorträge bei Start-ups auch beim Einstieg neuer Investoren fortbestehen.

Bundesminister Gabriel: „Der Börse kommt bei der Finanzierung junger Start-ups eine ganz entscheidende Rolle zu. Mit gerade einmal drei Börsengängen von Technologieunternehmen jeweils im letzten und in diesem Jahr haben wir vor allem im Vergleich mit angelsächsischen Ländern zu wenige solcher Börsengänge und werden dem Anspruch einer modernen innovativen Industrienation nicht gerecht. Die globalen Konzerne des Silicon Valley haben praktisch alle früher oder später über den Gang an die Börse das Geld eingesammelt, das sie für den Durchbruch zum Weltmarktführer benötigten. Der heutige Bericht enthält eine ganze Reihe von Empfehlungen, wie wir wieder mehr Start-ups erfolgreich an die Börse bringen können. Mit der jüngst beschlossenen Ausweitung des INVEST-Programms hat die Bundesregierung bereits eine weitere Voraussetzung dafür geschaffen, dass Start-ups bis zur Börsenreife wachsen können.“

Susanne Klatten: „Deutschland hat eine starke Start-up-Landschaft mit innovativen und wachstumsstarken Unternehmen, die gute Chancen auf dem Weltmarkt haben. Doch Wachstum muss finanziert werden – durch Wagniskapital oder Börsengänge. Hier müssen wir ansetzen: Wir brauchen attraktive steuerliche Rahmenbedingungen für Venture Capital. Und wir müssen junge Unternehmen für die Börse sensibilisieren und auch qualifizieren. Ich freue mich, dass die Politik erkennt, dass in der Finanzierung von Start-up-Unternehmen große Chancen für die unternehmerische Zukunft Deutschlands liegen.“

Jürgen Fitschen: „Die Aktienkultur in Deutschland ist unterentwickelt. Auch die Bereitschaft, mit einer langfristigen Perspektive in Wachstumsunternehmen zu investieren, ist in den USA deutlich ausgeprägter als hierzulande. Wir müssen die Finanzierungsmöglichkeiten für junge Unternehmen verbessern – und generell die Begeisterung für neue Technologien und innovative Geschäftsmodelle fördern. Ein verbesserter Zugang zur Börse wird gerade den jungen, aufstrebenden Unternehmen dabei helfen, international erfolgreich zu werden.“

Andreas Preuß: „Das unzureichende Angebot an Wagniskapital ist die signifikanteste Schwäche des deutschen Innovations- und Wachstumssystems. Daher müssen wir die Rahmenbedingungen für die Wachstumsfinanzierung von Unternehmen verbessern. Dazu leisten wir mit Deutsche Börse Venture Network einen wichtigen Beitrag.“

Weiterhin wird im Bericht diskutiert, wie die Aktienkultur in Deutschland stärker stimuliert und die Aktienberatung verbessert werden kann. Der Round Table, der aus 19 Mitgliedern besteht, soll im Sommer kommenden Jahres fortgesetzt werden, um die bis dahin erzielten Ergebnisse zu bewerten.

Der Bericht der Arbeitsgruppen ist hier abrufbar.