Arbeitslosigkeit wird 2016 merklich steigen

Der deutsche Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung von Stefan Hardege, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), „nach wie vor in guter Verfassung“, steht aber angesichts der hohen Flüchtlingszahlen und des wachsenden Fachkräftemangels vor großen Herausforderungen.

 

Berlin, 5. November 2015 – „Im Zuge der Herbstbelebung sank die Arbeitslosigkeit auf 2,65 Millionen“, berichtete Hardege unter Berufung auf die gestern veröffentlichten Oktober-Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. „Das ist der geringste Stand seit 24 Jahren.“

Für 2016 rechne der DIHK mit einem Anstieg der Erwerbstätigkeit um rund 200.000, nach einem Plus von 250.000 in diesem Jahr. Aber: „Während die Arbeitslosigkeit 2015 im Durchschnitt um etwa 100.000 auf 2,8 Millionen sinken dürfte, muss im kommenden Jahr mit einem merklichen Anstieg gerechnet werden“, so Hardege. „Hierbei schlägt sich die hohe Flüchtlingszahl am Arbeitsmarkt nieder.“

Arbeitslosigkeit trotz offener Stellen

Gleichzeitig falle es den Unternehmen zunehmend schwer, passende Mitarbeiter zu finden. Bei den gemeldeten offenen Stellen handele es sich in erster Linie um solche für qualifizierte Fachkräfte, erklärte der DIHK-Arbeitsmarktexperte. Die Mehrzahl der Flüchtlinge könne dazu zumindest kurzfristig keinen Beitrag leisten.

Er verwies auf die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage, der zufolge 42 Prozent der Betriebe im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre Geschäftsentwicklung sehen. „Das ist der Höchstwert seit Beginn dieser Abfrage im Jahr 2010 mit damals 16 Prozent“, betonte Hardege.

Zusätzlich erschwert werde die Fachkräftesicherung für die Unternehmen durch die Einführung der Rente mit 63 Jahren: „Nach kontinuierlichem Anstieg in den letzten Jahren ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung der über 63-Jährigen von Juni 2014 bis Juni 2015 um sechs Prozent gesunken.“ Von Juni 2013 bis Juni 2014 hatte in dieser Altersgruppe noch einen Zuwachs von 15 Prozent gegeben.