Cleverer BU-Schutz für Studenten und Berufsanfänger

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig und sollte so zeitig wie möglich abgeschlossen werden. Denn auch harmlos erscheinende Vorerkrankungen oder bestimmte Berufstätigkeiten können den BU-Schutz teuer oder auch unmöglich machen. Deshalb stehen zunehmend auch Studenten im Fokus der Vermittler. Doch beim BU-Schutz für Studenten gibt es ein paar Besonderheiten zu beachten, denn Löcher im BU-Schutz wären nicht so sexy.

Göttingen, 1.12.2016 – Die meisten Studenten hätten selbst im Falle einer vollständigen Erwerbsminderung keine Hilfe vom Staat zu erwarten. Denn die erforderlichen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (Pflichtbeiträge und Wartezeiten) können die meisten Studenten gar nicht erfüllen.

Deshalb ist die private Absicherung besonders wichtig. Aber ein Student hat noch gar keinen echten Beruf – nur ein Berufsziel. Das nutzen die BU-Versicherer für die verschiedensten Regelungen in der Leistungsprüfung.

Welcher Beruf wird versichert?

Manche Versicherer reduzieren den Versicherungsschutz während der Studienzeit auf einen Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Das ist natürlich völlig unakzeptabel, denn dann leistet der Versicherer nur, wenn der Betroffene gar keiner Berufstätigkeit länger als 3 Stunden täglich nachgehen könnte.

Bei anderen Versicherern wird während der Zeit des Studiums „das Mindestanforderungsprofil der Berufe zugrunde gelegt, für die der Studienabschluss im belegten Studienfach typischerweise Voraussetzung ist“. Das klingt zwar im ersten Moment positiv. Es beinhaltet aber die Gefahr, dass versicherte Person und Leistungsprüfer sehr unterschiedliche Auffassungen zu diesem Mindestanforderungsprofil vertreten. Und was nützt es einem Betroffenen, wenn er zwar einen hypothetischen Zielberuf noch zu mindestens 50% ausüben könnte – nicht aber das Studium, das Voraussetzung für diesen Zielberuf ist?

Deshalb bezieht sich eine wirklich studentenfreundliche Leistungsprüfung ausschließlich auf das zuletzt vor Eintritt des Versicherungsfalls absolviertes Studium.

Was gilt bei Aufnahme einer Tätigkeit während der Berufsunfähigkeit?

Wenn ein Versicherter eine BU-Rente erhält und in dieser Zeit eine neue berufliche Tätigkeit aufnimmt, dann darf der Versicherer natürlich prüfen, ob überhaupt noch eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Im Fachjargon heißt dies Prüfung auf konkrete Verweisung, weil dann auf einen ganz konkret ausgeübten Beruf verwiesen wird. Ein wichtiger Punkt bei dieser Prüfung ist, ob diese konkret ausgeübte Tätigkeit der bisherigen Lebensstellung hinsichtlich Vergütung und sozialer Wertschätzung vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung entspricht.

Und da hat der berufsunfähige Student ein Problem. Er hatte vor Eintritt der Berufsunfähigkeit in der Regel noch keinen Berufsabschluss (verringert die soziale Wertschätzung) und auch keine üppige Vergütung. Sobald ein berufsunfähig gewordener Student eine einigermaßen anerkannte und bezahlte Tätigkeit aufnimmt, könnte der Versicherer eine konkrete Verweisung aussprechen und die BU-Leistungen einstellen!

Deshalb ist bei Eintreten einer Berufsunfähigkeit während der Studienzeit zwar wichtig, dass sich die Prüfung der Berufsunfähigkeit auf das  zuletzt vor Eintritt des Versicherungsfalls absolviertes Studium bezieht – für die konkrete Verweisung aber die Lebensstellung maßgebend ist, die regelmäßig mit dem erfolgreichen Abschluss des Studiums der versicherten Person erreicht wird.

Beispiele solcher verbraucherfreundlicher Formulierungen hat der auf BU-Versicherungen spezialisierte Versicherungsmakler G. Kemnitz in seinen Tipps für Studenten aufgeführt.

Wie kann die versicherte BU-Rente später problemlos erhöht werden?

Viele BU-Versicherer begrenzen die maximal versicherbare BU-Rente auf maximal 1.000 bis 1250 €. Andererseits können bzw. wollen sich viele Studenten aber auch gar keine höhere BU-Rente leisten. Trotzdem wäre eine solche BU-Rente dem späteren Einkommen eines Akademikers nicht angemessen. Deshalb sollte der Student schon beim Abschluss seines „Grundvertrags“ auf gute Möglichkeiten zur späteren Erhöhung der versicherten BU-Rente achten.

Die meisten Tarife bieten hierzu eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung – entweder zu bestimmten Anlässen (wie z.B. Beginn der Berufstätigkeit, Hochzeit, Geburt eines Kindes usw.) oder auch ohne Anlass innerhalb bestimmter Zeiträume. Das ist gut, denn dadurch ist die Erhöhung selbst dann noch möglich, wenn sich bereits erste Vorerkrankungen gezeigt haben.

Eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung hilft aber nicht weiter, wenn man nach Abbruch oder erfolgreichem Abschluss des Studiums einen risikobehafteten Job (z.B. mit körperlich oder psychisch anstrengender Tätigkeit, mit Auslandsaufenthalten oder bei Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen) aufgenommen hat. Auch ein risikobehaftetes Hobby (z.B. Luft-, Wasser- oder Tauchsport) können dann eine Nachversicherung noch teuer oder gar unmöglich machen. Mehr Sicherheit bietet dann eine Nachversicherung ohne erneute Risikoprüfung – dann verzichtet der Versicherer bei der Nachversicherung nicht nur auf die Gesundheitsprüfung, sondern auch auf die Prüfung des Berufs- und Freizeitrisikos.

Keiner studiert für immer

In den bisherigen Abschnitten wurden nur die Besonderheiten für Studenten beschrieben. Darüber hinaus sind natürlich auch die grundlegenden Kriterien (wie Verzicht auf abstrakte Verweisung, verkürzter Prognosezeitraum, rückwirkende Leistungen usw.) wichtig. Und deutlich länger werden Sie als Arbeitnehmer, Selbstständiger oder Beamter tätig sein. Vergessen Sie nicht, dass Ihr BU-Schutz auch für diese Phase passen muss. Lassen Sie sich deshalb ausführlich von einem Fachmann beraten und achten Sie darauf, dass dabei die o.g. Besonderheiten für Studenten berücksichtigt werden.