Deutsche Wirtschaft im August 2017 weiter positiv ausgerichtet

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2017 beschleunigt gewachsen. Die rechnerisch größeren Impulse kamen von der binnenwirtschaftlichen Seite. Das Wachstum im Produzierenden Gewerbe bleibt dabei in der Tendenz aufwärtsgerichtet, auch wenn es im Juni und Juli an Dynamik einbüßte. Das Geschäftsklima in der Wirtschaft ist weiterhin sehr zuversichtlich. Die Grundtendenzen am Arbeitsmarkt sind weiterhin positiv. 

Berlin, 14.09.2017 – Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem soliden Aufschwung. Im ersten Halbjahr 2017 beschleunigte sie ihr Expansionstempo merklich. Die gesamtwirtschaftliche Leistung legte im ersten Halbjahr 2017 preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vorzeitraum um 1,2 % zu, nach einem Wachstum von 0,8 % im zweiten Halbjahr 2016. Unterstützt wurde die Konjunktur im ersten Halbjahr 2017 durch starke binnenwirtschaftliche Auftriebskräfte. Während sich die Impulse durch die privaten und staatlichen Konsumausgaben fortsetzten, belebten sich die Investitionen in Bauten (+4,4 %) und vor allem erstmals auch wieder die in Ausrüstungen (+2,1 %). Der Beitrag des Außenhandels zum Wirtschaftswachstum war im ersten Halbjahr netto leicht positiv. Die Basis für die binnenwirtschaftliche Entwicklung ist weiterhin die gute Entwicklung des Arbeitsmarkts insgesamt. Impulse kamen im ersten Halbjahr aber auch von den niedrigen Zinsen und dem etwas günstigeren Mineralölpreisen. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft setzt sich im zweiten Halbjahr fort. Vermutlich wird die Dynamik aber etwas geringer ausfallen. Die Stimmung in der Wirtschaft ist weiterhin sehr zuversichtlich. Der Beschäftigungsaufbau könnte aber etwas ruhiger verlaufen. Auch die Produktionsausweitung in Industrie und Baugewerbe könnten moderater ausfallen.

Zunehmend optimistische Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft gewinnt auf das Jahr gesehen weiter an Fahrt. Die globale Industrieproduktion ist seit Februar 2017 aufwärtsgerichtet. Die Dynamik in den asiatischen Schwellenländern ist hoch, aber auch die Konjunktur in den entwickelten Volkswirtschaften belebte sich. Die globalen Stimmungsindikatoren zeigen einen zunehmenden Optimismus. Die Konjunkturerwartungen für den Euroraum haben sich weiter aufgehellt. In den Vereinigten Staaten hat sich das Wachstum nach dem schwachen ersten Quartal normalisiert. Das Wirtschaftswachstum in Japan ist im zweiten Quartal höher ausgefallen. Von den Schwellenländern verzeichnete China wieder eine stabilere wirtschaftliche Entwicklung. Russland und Brasilien profitieren von den anziehenden Rohstoffpreisen. Beide Länder konnten ihre Rezessionsphasen überwinden. Insgesamt wird daher das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr höher ausfallen als im Vorjahr. Der IWF, wie andere Organisationen zuvor, erwartet in seinem Ausblick vom Juli weiterhin einen Anstieg der Weltwirtschaft von 3,5 %.

Leichter Aufwärtstrend im Export

Die deutschen Ausfuhren bleiben in der Tendenz leicht aufwärtsgerichtet. Nach der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank legten die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen im Juli 2017 in jeweiligen Preisen leicht um 0,2 % gegenüber dem Vormonat zu. Im aussagekräftigen Dreimonatsvergleich stiegen sie deutlicher um 1,3 %. Die Einfuhren erhöhten sich im Juli um 2,1 %. Im Dreimonatsvergleich war ihr Anstieg mit +1,2 % etwa ebenso stark wie der der Ausfuhren. Der seit Jahresbeginn kumulierte Leistungsbilanzüberschuss liegt weiterhin spürbar niedriger als ein Jahr zuvor. Die nationalen Indikatoren zur Außenwirtschaft sowie die weltwirtschaftliche Belebung lassen trotz eines stärkeren Euros eine weitere moderate Expansion der deutschen Exporte erwarten.

Gute Stimmung in der Baubranche

Die im ersten Halbjahr starke Industriekonjunktur hat in den Sommermonaten etwas an Schwung verloren. Nach einem Rückgang im Juni wurde die Produktion im Juli nur leicht um 0,3 % ausgeweitet. Ob sich die dynamische Entwicklung des ersten Halbjahrs auch im Herbst fortsetzt, bleibt daher abzuwarten. Während die Auftragseingänge der vergangenen Monate eine etwas ruhigere Gangart signalisieren, sprechen das verbesserte ifo Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe sowie die starke Kfz-Produktion im August für ein gutes drittes Quartal. Die Bauproduktion wurde im Juli um 0,5 % gesteigert, hat sich seit dem Frühjahr aber insgesamt eher schwach entwickelt. Trotz nachgebender Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe, die im zweiten Quartal um 2,6 % zurückgingen, blieb die Stimmung in der Branche gut. Sowohl die aktuelle Lage als auch Aussichten für die kommenden Monate werden von den Bauunternehmen sehr positiv eingeschätzt. Die Kapazitätsauslastung ist überdurchschnittlich hoch, was sich mittlerweile auch in der Entwicklung der Baupreise niederschlägt.

Privater Konsum bleibt auf steigendem Kurs

Der private Konsum bleibt weiterhin eine wichtige Stütze der Konjunktur. Zwar sind die Erlöse im Einzelhandel im Juli um 1,2 % gesunken, im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich blieben sie aber aufwärtsgerichtet. Auch im Kfz-Handel entwickelten sich die Umsätze im Juni weiter dynamisch. Trotz der etwas anziehenden Verbraucherpreise, die im August 1,8 % über dem Niveau des Vorjahres lagen, stieg das Konsumklima erneut und erreichte im August ein neues Hoch. Angesichts dessen sollte der private Konsum weiter expandieren. Allerdings deutet die etwas eingetrübte Stimmung im Einzelhandel darauf hin, dass sich die Entwicklung nach dem außergewöhnlich starken zweiten Quartal etwas verlangsamen könnte.

Positive Entwicklung im Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich insgesamt weiterhin positiv und auch der Ausblick stimmt zuversichtlich. Die Erwerbstätigkeit nimmt saisonbereinigt seit Februar monatlich stetig um 40 bis 50 Tausend Personen zu, im Juli um 42.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen waren fast 44,4 Mio. und damit 1,6 % mehr Personen als vor einem Jahr erwerbstätig. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im Juni (+53.000 Personen) erneut etwas stärker als die Erwerbstätigkeit. In nahezu allen Wirtschaftsbereichen werden Mitarbeiter gesucht. Die Arbeitslosigkeit ist im August während der Sommerferien leicht angestiegen. Nach den Ursprungszahlen waren 2,54 Mio. Personen arbeitslos gemeldet, 139.000 weniger als vor einem Jahr. Die Unterbeschäftigung war etwas geringer als im Juli. Bereinigt um die Saisoneffekte gingen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im August gegenüber dem Vormonat erneut leicht zurück. Diese positiven Entwicklungen sollten die bestehenden Problembereiche aber nicht verdecken, denn die regionalen Unterschiede bei der Arbeitslosigkeit sind weiterhin sehr groß. Zudem stellen der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit, von der im August noch immer 895.000 Personen betroffen waren, sowie die Integration der Flüchtlinge nach wie vor erhebliche Herausforderungen dar.