Deutscher Mittelstand: Bürokratie-Entlastungsgesetze reichen nicht aus

Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland leiden nach wie vor unter zu viel Bürokratie und fühlen sich bei wichtigen Herausforderungen von der Politik ausgebremst. Das zeigt eine jetzt vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichte Sonderauswertung des jüngsten IHK-Unternehmensbarometers zur Bundestagswahl mit 1.500 mittelständischen Betrieben unter 500 Beschäftigten.

13.11.2017 – Deutschland sei zwar ein guter Standort für den Mittelstand, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Doch vor allem beim Bürokratieabbau müsse die Politik deutlich zulegen.

Dieser Meinung sind der Umfrage zufolge zwei Drittel der kleinen Betriebe mit maximal 20 Beschäftigten. Diese machen zahlenmäßig einen Großteil der deutschen Wirtschaft aus – sie stellen 95 Prozent aller Unternehmen und beschäftigen mehr als sechs Millionen Mitarbeiter. „Trotz zweier ‚Bürokratie-Entlastungsgesetze‘ in der vergangenen Legislaturperiode ist es damit offensichtlich nicht gelungen, Bürokratie für Unternehmen dieser Größe spürbar abzubauen“, kritisierte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Als weiteren Handlungsschwerpunkt der Wirtschaftspolitik betrachten die befragten kleinen und mittleren Betriebe die Digitalisierung. Rasches Internet auch auf dem Lande und die Möglichkeit, mehr und mehr Verwaltungsleistungen online erledigen zu können, sieht jeder zweite von ihnen ganz oben auf der politischen Agenda.

Investitionsfreundliches Steuersystem gewünscht

Auf mehr Unterstützung hoffen die Unternehmen auch beim Angebot an Fachkräften. Die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter wird von Betrieben mit 20 bis 250 Mitarbeitern noch negativer eingeschätzt als innerhalb der Gesamtwirtschaft. 32 Prozent der kleinen Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten mahnen zudem ein investitionsfreundliches Steuersystem an – unter Großunternehmen lag dieser Anteil nur bei 17 Prozent. Ein Drittel der größeren Mittelständler sehen zudem eine Begrenzung der Kosten der Energiewende als vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung, mehr als in jeder anderen Größenklasse.

Im Zuge der derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen erhofften sich ganz besonders die kleinen und mittleren Betriebe Rückenwind, kommentierte der DIHK-Hauptgeschäftsführer die Ergebnisse der Sonderauswertung. „Wenn die Politik erkennt, wie wichtig Entlastung dieser Unternehmen ist, zahlt sich das auch aus“, gab er zu bedenken.

Denn dann gewinne das gesamte Land an unternehmerischer Dynamik, erläuterte Wansleben. „Die Inhaber und Lenker kleiner wie mittelständischer Betriebe packen meist selbst an. Daher ist es wichtig, dass die Mittelständler ihre Energie für die Weiterentwicklung ihres Unternehmens aufbringen statt für den Kampf mit Formularen, Genehmigungen und anderen Kosten.“

Die Umfrage „Was der Mittelstand will“ mit weiteren Details können Sie hier kostenlos herunterladen.