Gütesiegel „Reisen für Alle“ sollen kommen

Das Bundeswirtschaftsministerium will mit dem Projekt „Reisen für Alle“den weiteren Ausbau des barrierefreien Tourismus in Deutschland fördern. So soll sich die Tourismusbranche künftig besser auf die stark wachsende Gruppe älterer, aktivitäts- und mobilitätseingeschränkter Menschen einstellen.

 

Gütesiegel Reisen für Alle GG-Berlin_pixelio.de
Gütesiegel Reisen für Alle GG-Berlin_pixelio.de

Berlin, 29.12.2014 – Hauptziel des Projektes ist es, in den nächsten drei Jahren eine einheitliche, geprüfte Kennzeichnung für touristische Angebote einzuführen. Das „Deutsche Seminar für Tourismus Berlin“ und der Verein „Tourismus für Alle in Deutschland“
wurden jetzt mit der weiteren Umsetzung des Projektes beauftragt.

Gütesiegel „Reisen für Alle“: Barrierefreiheit im Tourismus nicht selbstverständlich

„Wir möchten beim Ausbau des barrierefreien Tourismus deutlich voran kommen. Es gibt zwar bereits eine Reihe guter Beispiele und Initiativen in verschiedenen Regionen, doch barrierefreie Tourismusangebote sind in Deutschland noch lange nicht flächendeckend zu finden.“ Das sagte die Tourismusbeauftragte der Bundesregierung und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Iris Gleicke. Das Ziel sei es, das auch Menschen mit einer Behinderung unkompliziert und vor allem verlässlich informiert und sorgenfrei in den Urlaub fahren könnten. Deswegen müsse die gesamte touristische Servicekette so weit wie möglich barrierefrei gestaltet werden.

Wachstumschancen für barrierefreien Tourismus

Bereits heute leben laut Bundeswirtschaftsministerium in Deutschland mehr als 10 Millionen Menschen mit einer Behinderung, in der Europäischen Union mehr als 60 Millionen. Die demografische Entwicklung lasse diese Gruppe in den kommenden Jahren noch deutlich wachsen. Mit dem Projekt ‚Reisen für Alle‘ soll also schon jetzt die Tourismuswirtschaft besser auf die nationalen und internationalen Gäste mit Behinderungen vorbereitet werden.

Was sind die Barrieren für Menschen mit Behinderungen?

Untersuchungen weisen darauf hin, dass Informationsdefizite als ebenso große Barrieren empfunden werden wie bauliche Einschränkungen, die zum Beispiel den zugang zu Gebäuden oder Verkehrsmitteln für Menschen mit Behinderung erschweren oder unmöglich machen. Fehlende oder unzuverlässige Informationen können verhindern, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ihre Reisewünsche in die Tat umsetzen. Künftig sollen alle Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen verlässliche Informationen über die Zugänglichkeit touristischer Angebote erhalten und diese für ihre Reiseentscheidung nutzen können. Ebenso werden die speziellen Bedürfnisse von Allergikern und Menschen mit einer Lebensmittelunverträglichkeit berücksichtigt.

Für das Projekt sollen Betriebe deutschlandweit nach einheitlichen Kriterien erfasst, bewertet und zertifiziert werden. Zu diesem Zweck will das BMWI eine umfangreiche Datenbank erstellen und besondere Schulungen anbieten. Die Gütesiegel „Reisen für Alle“ sind mit Betroffenenverbänden und touristischen Unternehmen entwickelt worden und werden bereits in 10 Bundesländern angewendet. Knapp 400 Betriebe wurden bislang zertifiziert.