Titel der Studie

Innovationsfähigkeit trotz demografischen Wandels

Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten. Angesichts des viel diskutierten Fachkräftemangels und Nachwuchssorgen in einigen Branchen stellt dieser gerade Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen: Durch das Altern der Belegschaft und eine steigende Zahl altersbedingt ausscheidender Arbeitnehmer verändert sich die Zusammensetzung von Belegschaften nachhaltig.

Titel des Magazins
Innovationsfähigkeit

Leipzig, 16.09.2014 – Dies hat Folgen für die Wissensbasis der Unternehmen, die ihrerseits Grundlage von Innovationen und damit der Wettbewerbsfähigkeit ist. Gerade Unternehmen in wissensintensiven Branchen wie der IT-Industrie sind davon betroffen. Unter ihnen ist auch die DATEV eG. Um frühzeitig auf demografiebedingte Veränderungen reagieren zu können, hat der in Nürnberg ansässige Softwareentwickler und IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte sowie deren zumeist mittelständische Mandanten seit 2010 in drei Initiativen die Auswirkungen des demografischen Wandels in seiner Belegschaft analysiert. Diese wurden wissenschaftlich durch das Center for Leading Innovation & Cooperation (CLIC) an der HHL Leipzig Graduate School of Management begleitet.

Entfaltung der Innovationsfähigkeit auf drei Ebenen

Die wissenschaftliche Auswertung zeigt laut Prof. Dr. Kathrin M. Möslein, Akademische Direktorin des CLIC, dass die Ausrichtung eines Unternehmens auf die Herausforderungen des demografischen Wandels Maßnahmen auf drei Ebenen erfordere, um die Innovationskraft zu erhalten und auszubauen: der Fähigkeit, sich an veränderte Markt- und Umweltbedingungen anzupassen (Organisationskapital), den sozialen Beziehungen, die Individuen miteinander verbinden (soziales Kapital) sowie der Lernbereitschaft und -fähigkeit Einzelner (Humankapital).

  •  Organisationskapital: Auf der Ebene des Organisationskapitals zeichnen sich zwei wesentliche Erfolgsfaktoren ab, nämlich dass alle Altersgruppen im Unternehmen wertgeschätzt und Führungskräfte wie Mitarbeiter für die Herausforderungen des demografischen Wandels im Unternehmen sensibilisiert werden, beispielsweise durch die aktive Initiierung von Projekten mit altersgemischten Teams. Voraussetzung für die Sensibilisierung und auch Wertschätzung ist, dass die Altersstrukturentwicklung im Unternehmen beobachtet, analysiert und offen kommuniziert wird.
  • Soziales Kapital: Der Austausch zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Mitarbeitern ist kein Selbstläufer. Das Unternehmen muss aktiv Ressourcen, beispielsweise Zeit, Handlungsfreiräume sowie institutionalisierte Programme, bereitstellen, um diesen Erfahrungsaustausch zu fördern, und den Erfolgsfaktor Altersheterogenität bei entsprechenden Projekten explizit würdigen.
  • Humankapital: Je nach Alter ändern sich Kompetenzen, Fähigkeiten und Anforderungen von Mitarbeitern. Unternehmen können die Leistungsbereitschaft Einzelner im demografischen Wandel durch die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und Fähigkeiten fördern. So wirken sich beispielsweise speziell zugeschnittene Weiterbildungsangebote und ein auf die individuellen Fähigkeiten hin zugeschnittener Einsatz in Projektgruppen sehr positiv aus.

 Lob an DATEV

Bei der Vorstellung der zentralen Projektergebnisse sagte Prof. Dr. Kathrin M. Möslein: „Unternehmen stehen heutzutage vor der Herausforderung, den Wissenstransfer zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Mitarbeitern zu sichern. DATEV ist Vorreiter bei diesem Thema: Durch die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Mitarbeitern mit viel und wenig Erfahrung in sogenannten ‚Tandems‘ schafft das Unternehmen neues Innovationspotential. Denn so wird systematisch Erfahrungswissen mit aktuellem Technik- oder Fachwissen kombiniert.“ Dr. Michael Seyd, Mitglied der Geschäftsleitung der DATEV, fügte hinzu: „Im Rahmen der drei Projektinitiativen wurden Methoden zur Unterstützung altersgruppenübergreifender Zusammenarbeit erprobt und Maßnahmen zum Umgang mit dem demografischen Wandel erarbeitet: Die ‚Innovations-Tandems‘, ‚Innovations-Coaches‘ und die Erkenntnisse aus dem Living-Lab ‚Projekt 2022‘ bedeuten einen wertvollen Beitrag für unsere Innovationsfähigkeit.“

 Initiativen für altersheterogene Teamzusammenarbeit

Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchung waren drei Initiativen der DATEV, die eine Reihe wichtiger Erkenntnisse zu den Herausforderungen und Chancen alters- und erfahrungsgemischter Teamzusammenarbeit gezeitigt haben, und zwar für alle drei Untersuchungsebenen:

  •  Im Rahmen der Initiative „Innovations-Tandems“ arbeiteten erfahrene mit weniger erfahrenen Kollegen in 2er- bzw. 3er-Tandems zusammen und entwickelten Lösungskonzepte für Produkte und Dienstleistungen für den Kunden der Zukunft.
  • „Innovations-Coaches“ griffen bereichsübergreifende Ideen von DATEV-Mitarbeitern auf und führten sie durch den Innovationsprozess.
  • Im „Projekt 2022 – Demografischer Wandel im Service“ wurde ein Service-Team entsprechend der erwarteten Altersstruktur im Jahr 2022 aufgestellt, um Maßnahmen zur Vorbereitung des Servicebereichs auf sich verändernde Alters- und Wissensstrukturen zu erarbeiten.