IW-Konjunkturprognose und IW-Konjunkturumfrage Herbst 2015

In 2015 wurde die Weltkonjunktur maßgeblich von der Schwäche wichtiger Schwellenländer geprägt. Während sich die wirtschaftliche Lage in den Industrieländern größtenteils stabilisiert hat, befinden sich Länder wie Russland und Brasilien in einer Rezession. Und auch die chinesische Wirtschaft verliert an Dynamik. Das zeigt die IW-Konjunkturprognose und IW-Konjunkturumfrage Herbst 2015.

Firmen etwas weniger zuversichtlich als im Frühjahr
Firmen etwas weniger zuversichtlich als im Frühjahr

Köln, 07.12.2015 – Seit 2001 wird, mit Blick auf die gesamten Schwellen- und Entwicklungsländer, das schwächste Wirtschaftswachstum von vier Prozent verzeichnet. Die Wachstumsdifferenz zwischen den aufstrebenden und den fortgeschrittenen Volkswirtschaften hat sich auf zwei Prozentpunkte halbiert. Das ist seit der Jahrtausendwende der mit Abstand niedrigste Wert.

Auch der deutsche Außenhandel spürt diese Entwicklung. Folgende Faktoren beeinflussen den Außenhandel:

  • Steigenden industriellen Lohnstückkosten belasten die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft
  • Abwertung des Euro gegenüber einer Reihe wichtiger Währungen kann zum Teil diesem Wettbewerbsnachteil entgegenwirken
  • Die VW-Affäre könnte dazu beitragen, dass sich die Verhandlungsposition deutscher Unternehmen auf den Weltmärkten schwieriger gestaltet, und Preiszugeständnisse zu erwarten sind.

Flüchtlingszuwanderung wirkt sich auf Wirtschaft aus

Im Jahr 2015 wird in Deutschland mit 900.000 Flüchtlingen gerechnet, in 2016 mit 600.000. Doch das ist nur eine Annahme und keine belegbare Prognose. Ausgehend von diesen Zahlen ergibt sich folgende Rechnung: 80.000 der 2016 in den Arbeitsmarkt eintretenden Flüchtlingen können erwerbstätig und 237.000 zunächst erwerbslos sein. Da ein Teil dieser Erwerbslosen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert wird, werden sie nicht als arbeitslos gezählt. Damit wird die Zahl der Arbeitslosen 2016 nur um rund 120.000 Personen zunehmen. Die Arbeitslosenquote steigt auf 6 ½ Prozent. Nach einem Beschäftigungsaufbau von fast 300.000 Personen im Jahr 2015 wird die Beschäftigung im kommenden Jahr um ½ Prozent auf einen jahresdurchschnittlichen Rekord von 43,25 Millionen Personen weiter ansteigen.

Konsum als Konjunkturtreiber

In den vergangenen Jahren war der Konsum der größte Konjunkturtreiber in Deutschland. Durch die positiven Kaufkrafteffekte in 2015 und die deutlich gesunkenen Energiepreise bekam die Konsumkonjunktur deutlich Rückenwind. Während dieses Prognosezeitraums wird der private Konsum durch folgende Faktoren beeinflusst:

  1. Die hohe Flüchtlingszuwanderung nach Deutschland beeinflusst im gesamten Prognosezeitraum vorwiegend den Staatskonsum. Die monetären Transfers begünstigen allmählich den Privaten Konsum – im kommenden Jahr um fast 10 Milliarden Euro oder um ½ Prozent.
  2. Der anhaltende, wenngleich abgeschwächte Beschäftigungsaufbau und die damit einhergehenden Einkommenszuwächse treiben auch im kommenden Jahr den Konsum an.
  3. Steuerliche Maßnahmen – zum Beispiel die Erhöhung des Grund- und Kinderfreibetrags und der teilweise Abbau der kalten Progression – sowie das kräftige Rentenplus erhöhen die verfügbaren Einkommen.
  4. Stimulierend wirkt weiterhin das Niedrigzinsumfeld.
  5. Infolge der stark gefallenen Energiepreise herrscht hierzu-lande im Jahr 2015 nahezu Preisstabilität. Da für 2016 mit ähnlich hohen Energiepreisen gerechnet wird, entstehen keine zusätzlichen Kaufkraftgewinne. Die Inflationsrate wird sich im Jahr 2016 auf 1 ¼ Prozent belaufen. Die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte werden im Jahr 2016 um gut 1 ½ Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Der Staatskonsum wird um rund 2 Prozent ansteigen.