KfW-Research: Mittelstand ist strukturell gesund

Der Mittelstand in Deutschland ist laut KfW-Research strukturell gesund und verfügt über eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 30 Prozent. Lediglich 5 % der mittelständischen Unternehmen in Deutschland verdienen zu wenig, um Zinsverpflichtungen zu erfüllen.

Frankfurt, 13.08.2018 – Im deutschen Mittelstand liegen keine Anzeichen einer „Zombiefizierung“ vor. Das zeigen erstmals Auswertungen auf Basis des KfW-Mittelstandspanels. Insgesamt gibt es derzeit nur vergleichsweise wenige Unternehmen mit kritischer Schuldentragfähigkeit, mit der so genannte „Zombie-Unternehmen“ in Verbindung gebracht werden: Rund 167.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) konnten 2016 ihre Zinsverpflichtungen nicht aus ihren operativen Gewinnen bestreiten. Das entspricht einem Anteil von 5 % an allen KMU. Diese Quote hat sich seit dem Einstieg in die Niedrigzinspolitik kaum verändert (2012: 6 %).

Die Untersuchung von KfW Research zeigt auch: Investitionstätigkeit und Produktivität dieser Unternehmen bewegen sich auf dem Niveau des gesamten Mittelstandes. Damit entsprechen sie nicht den allgemein „Zombie-Unternehmen“ zugeschriebenen Merkmalen. Ausgeprägt ist dagegen die niedrige Profitabilität. Der operative Jahresgewinn lag 2016 im Mittel unter 50 % der zu leistenden Zinsaufwendungen. Diese Unternehmen können daher als finanzschwach bezeichnet werden. Im Durchschnitt des gesamten Mittelstands decken die Erträge dagegen den sechsfachen Zinsbetrag.

Mittelstand zeigt sich finanziell robust

Große Mittelständler zählen häufiger als kleine KMU zu den finanzschwachen Unternehmen: Rund jeder zehnte große Mittelständler (mehr als 50 Vollzeitäquivalent-Beschäftigte) zählt dazu, während der Anteil bei Kleinstunternehmen (< 5 Vollzeitäquivalent-Beschäftigte) nur bei 4 % liegt. Ein möglicher Grund für diesen Unterschied ist, dass vor allem größere Mittelständler das zuletzt günstige Finanzierungsumfeld nutzten und höhere Kreditvolumina aufgenommen haben.. Spiegelbildlich ist bei großen KMU der Anteil der Bankkredite an der Investitionsfinanzierung von 21 % im Jahr 2012 auf 28 % im Jahr 2016 gestiegen. Die Ausweitung der Kreditfinanzierung führte zu einem Anstieg der Zinsverpflichtungen trotz insgesamt niedrigen Zinsniveaus.

Insgesamt zeigt sich der deutsche Mittelstand finanziell robust. Ein Grund dafür ist die in den vergangenen 15 Jahren deutlich gestiegene Eigenkapitalausstattung der deutschen KMU. Durch einbehaltene Gewinne konnte ein finanzielles Polster geschaffen werden, sodass die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Jahr 2016 bei komfortablen 30 % lag. Spiegelbildlich dazu sank die Schuldenquote der Mittelständler.

Kein Nachlassen bei Investitionen oder Produktivität

Der Chefvolkswirt der KfW, Dr. Jörg Zeuner, sagt dazu: „Die wirtschaftspolitische Debatte um eine „Zombiefizierung“ der Unternehmen hierzulande scheint wohl überzogen. Die Anzahl betroffener Unternehmen ist mehr als überschaubar und auch zuletzt trotz Niedrigzinsen nicht gestiegen. Gleichzeitig sehen wir bei diesen finanzschwachen Unternehmen keine Hinweise für ein Nachlassen bei Investitionen oder Produktivität. Es gibt also keine Anzeichen, dass sich Unternehmer auf den niedrigen Zinsen ausruhen. Gerade der Mittelstand hat von den letzten Wachstumsjahren profitiert und ist strukturell gesund. Dennoch bleibt Schuldentragfähigkeit für jeden Unternehmer ein ernstes Thema.“

Der Fokus Volkswirtschaft von KfW Research „Sorge vor Zombie-Unternehmen im Mittelstand unbegründet“ steht unter diesem Link zum Download zur Verfügung: www.kfw.de/fokus