Konjunkturschlaglicht Mittelstand Frühsommer 2018

„Die außenwirtschaftliche Verunsicherung kommt im Mittelstand an“: Das zeigt nach Worten von Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) die aktuelle Ausgabe „Konjunkturschlaglicht Mittelstand Frühsommer 2018“.

Berlin, 23.07.2018 – „Industrieunternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten erwarten für die kommenden Monate deutlich geringere Zuwächse im Exportgeschäft als noch zu Jahresbeginn“, berichtete Wansleben der „Süddeutschen Zeitung“ von den Ergebnissen des „DIHK-Konjunkturschlaglichts Mittelstand“. Die harschen Töne und neue protektionistische Maßnahmen ließen die Unternehmen vorsichtiger agieren.

Als Stütze des Mittelstandes erweise sich hingegen noch immer die Binnenkonjunktur: „Die gute Beschäftigungssituation in Deutschland steigert die Kaufkraft der Verbraucher und lässt zum Beispiel Einzelhändler und Gastronomen gute Geschäfte erwarten“, sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Auch IT-Dienstleister seien zuversichtlich, und die Geschäftserwartungen der mittelständischen Bauunternehmen erreichten sogar neue Rekordwerte. „Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen, des hohen Beschäftigungsstandes, des steigenden Bedarfs an Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie der weiter anziehenden öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur sind die Auftragsbücher in der Baubranche gut gefüllt.“

Fachkräftemangel setzt Grenzen beim Beschäftigungsausbau

Auf dem Arbeitsmarkt sei der Mittelstand „Nachfragekraft“, so Wansleben weiter. Der DIHK rechne für 2018 mit 450.000 zusätzlichen Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen. Sie nähmen – anders als große Betriebe – ihre Einstellungspläne derzeit auch nur geringfügig zurück. „Aktuell planen 91 Prozent mit gleichbleibendem oder steigendem Personalbestand, unter den Großunternehmen sind es 77 Prozent“, konkretisierte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Allerdings setze der Fachkräftemangel zunehmend Grenzen beim Beschäftigungsausbau. „61 Prozent der Mittelständler sehen hierin inzwischen ein Geschäftsrisiko, so viele wie nie zuvor“, warnte Wansleben. „Besonders ausgeprägt sind die Engpässe in der Baubranche, hier sorgen sich 82 Prozent der Betriebe um Einbußen wegen fehlenden Fachpersonals.“

Angesichts der wachsenden Herausforderungen sei es wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes durch eine Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu erhöhen. Wansleben: „Mit Blick auf den exportorientierten industriellen Mittelstand sollte die Bundesregierung sich eindringlich für freien Handel im regelbasierten WTO-System einsetzen.“

Darüber hinaus müssten „entscheidende Weichenstellungen“ für den gesamten Mittelstand bei Digitalisierung, Bürokratieabbau und investitionsfördernden Steuerentlastungen erfolgen, forderte er. „Unsere europäischen Nachbarn, aber auch die USA und China legen im internationalen Standortwettbewerb kräftig vor. Deutschland darf nicht zurückfallen.“

Wirkungsvolle Entlastung des Mittelstandes

In punkto Bürokratie sorge aktuell die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für große Verunsicherung. Der Vorschlag des DIHK: „Bei Abmahnungen wegen DSGVO-Verstößen könnte zum Beispiel die vorübergehende Aussetzung der Kostenerstattung und der Vertragsstrafe Abhilfe schaffen. Besser wäre es aber, das Problem des Abmahnmissbrauchs grundlegend und nicht nur auf die DSGVO begrenzt anzugehen.“

Als Ansatzpunkte für eine wirkungsvolle Entlastung des Mittelstandes nannte Wansleben zudem die Vermeidung von Doppelmeldungen und die Abschaffung von unverständlichen Formularen und Verfahren – etwa des Steuerformulars zur Einnahme-Überschuss-Rechnung.

„Mit dem geplanten Bürokratieentlastungsgesetz III sollte der Mittelstand endlich in der Breite spürbar entlastet werden“, mahnte er. Der DIHK habe hierzu eine Reihe von Vorschlägen vorgelegt. Sie reichten von der Beschleunigung von Baugenehmigungen über Vereinfachungen bei der Mindestlohndokumentation bis hin zur Halbierung der Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen von zehn auf fünf Jahre.

„Das alles sind Maßnahmen, mit denen endlich konkrete Erleichterungen für Hunderttausende Betriebe auf den Weg gebracht werden könnten“, sagte Wansleben. „Es zeigt sich: Unser deutscher Mittelstand ist ein starkes Modell, um das uns viele in der Welt beneiden. Die Politik muss jetzt den Mittelstand mitnehmen, damit er auch im immer rauer werdenden Wind der Weltwirtschaft ein Garant für Wachstum und Beschäftigung sein kann. Freiraum für Innovationen und verlässliche Rahmenbedingungen sind das Gebot der Stunde – hierzulande und auf den Märkten der Welt.“

Download: Konjunkturschlaglicht Mittelstand Frühsommer 2018: „Außenwirtschaft trübt die guten Aussichten“