Lohnanstieg setzt Firmen unter Druck

Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich der Anstieg der Lohnkosten beschleunigt. Das hat zu kräftigen Reallohngewinnen geführt. Auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft hat sich das allerdings negativ ausgewirkt. Diese Entwicklungen werden in der iwd-Ausgabe Nr. 49 des Insituts der deutschen Wirtschaft Köln vorgestellt.

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Köln, 15.12.2015 – Während der Aufschwungjahre 2005 bis 2008 verlief die Produktivitäts- und Lohnentwicklung noch parallel. Die Effektivlöhne, also die Tariflöhne plus Extras, stiegen im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt um 3,3 Prozent/Stunde an, die Produktivität um 3,7 Prozent. Doch für die Arbeitnehmer zahlte sich dieses Lohnplus wegen einer Inflation von insgesamt 6,5 Prozent nicht aus. Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 entwickeln sich Löhne und Produktivität allerdings getrennt voneinander (s. Grafik).

Bis zum ersten Halbjahr 2015 stiegen seit 2008 die Tarifverdienste pro Stunde um fast 17 Prozent und die Effektivlöhne um rund 21 Prozent. Dagegen beträgt das Produktivitätsplus nur etwas mehr als 4 Prozent.

Da die Verbraucherpreise im selben Zeitraum nur um 8,4 Prozent angestiegen sind, ist den Arbeitnehmern in der Regel ein sattes Reallohnplus geblieben.

Geringes Produktivitätswachstum

Das geringe Produktivitätswachstum zwischen 2008 und 2015 hat verschiedene Ursachen. Zum einen ging im Jahr 2009 die Produktivität deutlich zurück, weil die Produktion stärker als die Beschäftigung einbrach. Zum anderen stellen viele Arbeitgeber aufgrund des abzusehenden Fachkräftemangels Mitarbeiter auf Vorrat ein. Auch werden, laut Einschätzung des Sachverständigenrats, weniger betriebliche Bereiche oder Funktionen auslagert.

Für die Arbeitnehmer hat der jüngste Aufschwung gleich eine doppelte positive Auswirkung: Die Anzahl der Jobs ist angestiegen und die Angestellten werden besser bezahlt. Daraus resultiert eine erhöhte Kaufkraft, wodurch der private Konsum zu einer wichtigen Stütze der konjunkturellen Dynamik geworden ist.

Doch diese Entwicklungen sind nicht nur erfreulich für die Arbeitnehmer – sie bergen langfristig auch Risiken. Denn wenn die Löhne schnell zulegen als die Produktivität, steigen die Lohnstückkosten. Und das hat negative Auswirkungen auf die deutsche Exportwirtschaft: Werden deutsche Produkte zu teuer, fällt auch die Nachfrage im In- und Ausland geringer aus.

Aufgrund des gesetzlichen Mindestlohns könnte sich die Lohndynamik sogar noch beschleunigen. Davon sind nicht nur Löhne mit einem Stundenlohn von 8,50 Euro betroffen, sondern auch die oberhalb dieser Marke. Denn die Gewerkschaften weisen darauf hin, dass die untersten Tariflöhne einen gewissen Abstand zur gesetzlichen Lohnuntergrenze haben müssten und deshalb hier ebenfalls nachgelegt werden sollte.

Einfache Arbeit muss in Deutschland also bezahlbar bleiben.Wird die Arbeit zu teuer, wird die Zahl der Beschäftigten in einfachen Dienstleistungen im Inland in den kommenden fünf Jahren abnehmen. Das zeigt das IW-Zukunftspanel.