Unterschiedliche Nudelpackungen

Sind Verpackungen noch zeitgemäß?

An der Verpackung scheiden sich die Geister. Immer noch gilt die Devise, die Verpackung ist der wichtigste Verkäufer am Point of Sale. Doch von Kiel bis München etablieren sich gerade Geschäfte, die ihr Warensortiment verpackungsfrei anbieten. Dem gestiegenen Umweltbewußtsein der Menschen gedankt, erhalten sie regen Zulauf. Wo führt die Entwicklung hin?

Göttingen, den 25.11.2015 – Laut Prognosen von Statista wird der Umsatz bei den Herstellern von Wellpappier und -pappe und Verpackungsmitteln aus Papier, Karton und Pappe in Deutschland bereits am Jahresende 2015 auf 13 Milliarden Euro anwachsen sein und ein drastischer Abfall der Zahlen ist nicht in Sicht. Bei Verpackungen aus Kunststoffen sieht es ähnlich aus. Hier werden jährliche Umsätze in Höhe von neun Milliarden Euro erwartet. Die Tendenz bleibt auch hier für die nächsten Jahre stabil. Statistik: Umsatz der Branche Herstellung von Wellpapier und -pappe sowie von Verpackungsmitteln aus Papier, Karton und Pappe in Deutschland von 2008 bis 2012 und Prognose bis zum Jahr 2020 (in Millionen Euro) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista Statistik: Umsatz der Branche Herstellung von Verpackungsmitteln aus Kunststoffen in Deutschland von 2008 bis 2012 und Prognose bis zum Jahr 2020 (in Millionen Euro) | Statista
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Die meisten der hergestellten Verpackungen landen nach einmaliger Anwendung im Müll, sei es weil sie nur einmalig verwendbar sind oder sie im Überfluss vorhanden sind.

Siegt Hygiene über Umweltbewußtsein?

So gern der deutsche Durchschnittskonsument auch sein Umweltbewußtsein zeigen möchte, Hygiene und Sauberkeit sind ihm wichtiger. Luftdicht und am besten unter Schutzatmosphäre verpackt sowie keimfrei versiegelt befriedigen den Sicherheits- und Gesundheitsgedanken des Verbrauchers. Eine Tatsache die Produktherstellern und der Verpackungsindustrie weiter Auftrieb gibt. Die Verpackung hat heutzutage weit mehr zu leisten als eine Schutzfunktion. Sie gilt schließlich als wichtige Verkausförderungsmaßnahme vor Ort. Denn erst im Markt entscheidet der Kunde über den Kauf. Bei heterogenen Produkten entscheidet dort neben dem Preis auch immer die Optik. Damit die stimmt, setzten Hersteller auf Spezialisten und entwickeln verkaufsförderndes Verpackungs Design mit Albertson oder anderen Designagenturen. Nicht nur Haptik und Aussehen müssen stimmen, Verpackungen suggerieren dem Kunden eine gewisse Wertigkeit des Produkts. Doch die Verpackung ist am Ende manchmal mehr Wert als der Inhalt und schlimmer noch: macht den größten Teil des Gewichts aus.

Lose Ware als Gegentrend

Laut Bundesumweltministerium fallen in Deutschland jährlich mehr als 16 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an. Da hilft es wenig, dass der Bürger den Müll trennt und auch schon im Geschäft entsorgen kann. Der Müllberg wächst. Diesem Trend stellen sich die Konzepte der verpackungslosen Supermärkte entgegen. Von der Nordsee bis zu den Alpen etablieren sich Geschäfte “original unverpackt” in Berlin oder tuetenlos in Köln, die ihr Sortiment ohne herkömmliche Papier- oder Kunststoffverpackung verkaufen. Eine Übersicht über “plastik-freie” Geschäfte bietet das Portal utopia.de. Auch wenn die Betreiber anfangs oft Überzeugungsarbeit bei den Lieferanten leisten müssen und Unwegsamkeiten bei den strengen Hygienevorschriften in Kauf nehmen müssen, gibt es genügend Wege, die Waren “pur” an den Abnehmer zu bringen. Und die Akzeptanz unter den Kunden ist enorm. Unter anderem auch, weil sie für unverpackte Lebensmittel und Waren zum Teil weniger zahlen müssen. Zum einen weil die Kosten für die Verpackung wegfallen, zum anderen weil der Kunde die Menge plötzlich selbst bestimmen kann und nicht vorgegebene Packungsgrößen kaufen muss. Der Trend wird in naher Zukunft nicht dazu führen, dass die Branche der Verpackungsindustrie um massive Einbrüche fürchten muss. Dazu ist die Entwicklung noch zu langsam. Der Großteil der Bevölkerung nutzt weiterhin den bequemen Gang in den Supermarkt und lässt sich von bunten Verpackungen verführen.