Online-Handel bedroht lokale Geschäfte

Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Doch die Neuerungen haben auch Auswirkungen auf den lokalen Handel, die Verbraucher, Städte und Regionen. Das zeigt eine neue IFH-Studie. Demnach müssen sich besonders Thüringen und Sachsen auf größere Veränderungen einstellen.

Läden von Schließung bedroht _Gerhard Giebener_pixelio.de
Läden von Schließung bedroht _Gerhard Giebener_pixelio.de

Köln, 20.08.2015 – Die aktuelle Studie „Stadt, Land, Handel 2020“ des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH) zeigt, wie sich der Einzelhandel im Zeitalter der Digitalisierung entwickelt und wodurch Städte an Attraktivität gewinnen können.

In den kommenden fünf Jahren könnten rund 45.000 stationäre Geschäfte in Deutschland vor der Schließung stehen. Damit stünde mehr als jede zehnte Laden bis 2020 vor dem Aus. Das ist das Ergebnis einer Modellrechnung des IFH-Köln. Diese Prognose beruht auf der Annahme, dass 2020 der Online-Umsatzanteil bei bis zu 15,3 Prozent liegen wird – ohne Güter des täglichen Bedarfs sogar bei bis zu 25,3 Prozent. Schon jetzt kaufen rund 73 % der Internetnutzer, vor allem Jüngere, online ein.

Bis zu 27 Prozent weniger Einzelhandelsumsatz

Die Modellrechnung des IFH Köln zeigt, dass in einzelnen Städten und Landkreisen im Einzelhandel mit Umsatzeinbußen von bis zu 27 Prozent bis 2020 zu rechnen sind. Während die Stadtstaaten Hamburg und Berlin oder die Bundesländer bzw. Regionen Baden-Württemberg, Mittel-/Südbayern sowie Südhessen und die südliche Niederrheinregion die geringsten negativen Auswirkungen spüren werden, wird es die größten Einschnitte voraussichtlich in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen geben. „Dies liegt unter anderem daran, dass sich durch den erwarteten Bevölkerungsrückgang in diesen Regionen Versorgungslücken verstärken und diese durch den Online-Handel aufgefangen werden“, erklärt Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln.

Was macht Standorte attraktiv?

Attraktive Innenstädte punkten mit Gestaltung, Ambiente, Erlebnischarakter und Angebots- bzw. Sortimentsvielfalt. Dagegen ist ein eingeschränktes Warenangebot aus Konsumentensicht ein deutlicher Minuspunkt. Vor allem Kleinstädte leiden darunter. „Damit sich auch kleinere Städte für die Zukunft attraktiv aufstellen können, muss ein Umdenken erfolgen. Noch kann der Wandel aktiv gestaltet werden. Auch Kooperationen von Standorten oder ein strategisch angelegter prozessualer Rückbau können eine Chance sein“, rät Boris Hedde.

Umsatzentwicklung des stationren Einzelhandels bis 2020 _IFH Köln
Umsatzentwicklung des stationren Einzelhandels bis 2020 _IFH Köln