Blau-weißes Logo Regionalfenster für Kartoffeln aus Niedersachsen

Regionalfenster bringt kaum Klarheit in den Logo-Dschungel

Seit Januar 2014 wurde das Regionalfenster als Kennzeichen für Regionalität an 2400 Produkte vergeben. Ein Erfolg, sagt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Verbraucherschützer hingegen bemängeln, dass dieser Anteil an der Gesamtpalette der Produkte verschwindend gering sei und das Logo mit zu vielen anderen Labeln konkurrieren muss.

 

Blau-weißes Logo Regionalfenster für Kartoffeln aus Niedersachsen
Logo Regionalfenster | Quelle: www.regionalfenster.de

Berlin, 17.10.2014 – Immer mehr Kunden achten darauf, woher die Lebensmittel im Supermarkt stammen. Dabei wird der Regionalität ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Unzählige Logos und Initiativen wollen genau das dem Kunden vermitteln. Seit Anfang des Jahres kam mit dem Regionalfenster noch ein weiteres Label hinzu.

Was zählt eigentlich als regional?

„Regional“ ist das neue Werbeschlagwort, denn es trifft den Nerv der Kundschaft.  Ob jedoch das komplette Produkt aus einer bestimmten Gegend oder nur eine bestimmte Zutat aus der Region kommt, ist für den Verbraucher oft nicht ersichtlich. Es gibt bereits etliche Marken mit allgemeinen Namen, wie „Unsere Heimat“ oder „Von hier“ und weitere von den Bundesländern vergebene Regionalsiegel. Der Anteil der Regionalität variiert dabei von 100% bis 50% der Hauptzutat. Hier soll das Regionalfenster ansetzen und einen einheitlichen Standard schaffen. Die angegebene Region muss kleiner sein als Deutschland, also ein Bundesland, ein Landkreis oder ein Ort.

Bedingungen für die Siegel-Vergabe

Bei Produkten, die das Regionalfenster führen wollen, muss die erste Hauptzutat zu 100% aus der Region stammen. Das gleiche gilt für wertgebende Zutaten, wie zum Beispiel Erdbeeren im Erdbeerquark. Handelt es sich um zusammengesetzte Produkte werden die regionalen Zutaten zusammengerechnet und ebenfalls in Prozent angegeben.  Weitere Bedingungen unter regionalfenster.de

Markus Tressel (Bündnis90/Die Grünen), Sprecher für Ländliche Räume, bemerkt dazu: „Dass die Größe einer Region einzig dadurch definiert ist, dass sie kleiner als Deutschland sein muss, ermöglicht es Filialen global agierender Großbetriebe sich mit dem Regionalfenster zu schmücken, auch wenn sie wenig zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Zudem sagt das Regionalfenster nichts über die Umweltverträglichkeit oder die Produktionsart aus.“

Noch zu wenig Produkte ausgestattet

Bislang gibt es 2400 registrierte Produkte für das neue Label. Zuwenig, meint Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer bei Foodwatch: „Den 2400 Produkten mit Regionalfenster stehen sicher 100000 Produkte gegenüber, bei denen die Hersteller die Herkunft verschweigen.“ Die Verbraucherschützer kritisieren auch, dass das Kennzeichen für Anbieter nur freiwillig ist. Ein weiterer abschreckender Aspekt ist auch der Preis der Zertifizierung. Bei vielen regionale Produzenten handelt es sich um Klein- und Kleinstbetriebe, die diese Investition scheuen. Der Nutzen ist dabei zu gering. Sie verkaufen hauptsächlich im Direktvertrieb und benötigen dafür kein Logo. Für die Aufnahme in das Sortiment der großen Anbieterketten, die sich gern mit Regionalität schmücken wollen, sind die Auflagen so abschreckend gehalten, dass die Vermutung naheliegt, eine Konkurrenz zu den eigenen regionalen Handelsmarken ist nicht erwünscht.

Ein Kommentar

  1. Was ist denn das für eine merkwürdige Berichterstattung? Klar, kann jeder die Region so definieren, wie er es für richtig erachtet, schließlich lässt sich so eine individuelle Bewertung nicht gesetzlich regeln. Wichtig ist doch aber, dass die Kunden lesen und bewerten können und so selber entscheiden, ob es für sie regional ist oder nicht. Deshalb ist das Regionalfenster eben kein Siegel (mit festem Text) sondern ein Informationsfeld.
    Und zur Aussage von H Tressel („Zudem sagt das Regionalfenster nichts über die Umweltverträglichkeit oder die Produktionsart aus.“): ja, aber eine Herkunftsangabe sagt nie etwas über Umweltverträglichkeit oder Produktionsart aus sondern eben nur über die Herkunft. Und das ist auch gut so.
    Weiter schreiben Sie „Ein weiterer abschreckender Aspekt ist auch der Preis der Zertifizierung“: haben Sie sich tatsächlich mal erkundigt, was das kostet? Die Kosten sind bei einer transparenten Rückverfolgbarkeit so gering, dass es sich jeder leisten kann, der damit werben möchte. es wird z.B. von einem kleinen Imker aus Düsseldorf genutzt, der auch berichtet, wie gering sein Aufwand dafür war. Und bei manchem Hofladen wäre es für die Kunden durchaus interessant mal zu sehen, wo die Waren tatsächlich herkommen.
    Und schließlich ist die Aussage „Für die Aufnahme in das Sortiment der großen Anbieterketten, die sich gern mit Regionalität schmücken wollen, sind die Auflagen so abschreckend gehalten, dass die Vermutung naheliegt, eine Konkurrenz zu den eigenen regionalen Handelsmarken ist nicht erwünscht.“ völlig an den Haaren herbei gezogen, schließlich sind gerade die großen Handelsketten die Akteure, die das Regionalfenster einsetzen.
    Es erstaunt doch immer wieder, wie mit Halbwahrheiten Meinung in den Medien gemacht wird.

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