Verbundprojekt soll Digitalisierung in der ambulanten Pflege unterstützen

Die Diskussionen um die Digitalisierung der Arbeit – Stichwort Arbeit 4.0 – konzentrieren sich oft auf die Veränderungen in der Industrie. Allerdings verbreitet sich die Digitalisierung der Arbeit mittlerweile auch in Branchen, die traditionell eher wenig technikorientiert waren. Dazu gehören die personenbezogenen sozialen Dienstleistungen, beispielsweise die Pflege.

Quelle i2b

Köln, 23.11.2016 – Das Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW) hat nun das Verbundprojekt „Kolege“ („Interagieren, koordinieren und lernen – Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in der ambulanten Pflege“) gestartet, um die Vorteile der neuen Technologien für alle Beteiligten in Einklang zu bringen.

Digitale Tourenbegleiter in Fokus

Während die stationäre Pflege in Krankenhäusern bereits stark vernetzt und technikunterstützt arbeitet, fällt in der ambulanten Pflege derzeit der Startschuss in der umfassenden Verbreitung „digitaler Tourenbegleiter“. Das sind Tablets oder Smartphones, die Pflegekräfte mit spezieller Software ausgestattet auf den Pflegetouren mit sich führen. Diese stehen im mobilen Einsatz mit der Pflegezentrale in Verbindung und bieten unter anderem Möglichkeiten, den Tourenverlauf zu kontrollieren, laufend zu verändern sowie eingehende Daten sofort in die Leistungsabrechnung oder die Dokumentation zu übernehmen.

Die Geräte und ihre Software sind oft stark auf die Unternehmensanforderungen – zum Beispiel die Wirtschaftlichkeit – ausgerichtet. „Die Ansprüche der Pflegekräfte an gute Arbeitsqualität werden noch zu wenig berücksichtigt“, haben die Projektinitiatoren beobachtet. „Das kann zu Akzeptanzproblemen auf Seiten der Pflegekräfte führen, die sich in ihrer Arbeit kontrolliert und unter Zeitdruck gesetzt fühlen können.“

Oftmals werde die Technik auch als Störfaktor in der Beziehung mit den Pflegebedürftigen empfunden. Hinzu komme, dass Geräte und Software nur dann von den Pflegekräften genutzt werden, wenn sie die notwendigen Kompetenzen besitzen. Dabei biete der Einsatz digitaler Medien in der ambulanten Pflege vielfältige Möglichkeiten, den Arbeitsalltag für Pflegekräfte sowie die Leitung der Unternehmen zu erleichtern.

BMBF und ESF fördern das Projekt

An diesen Herausforderungen setzt das Projekt „Kolege“ an, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Europäischen Sozialfonds mit fast 1,2 Millionen Euro gefördert wird. In einem dreijährigen Forschungs-, Entwicklungs- und Erprobungsprozess sollen die bislang noch nicht ausgeschöpften Potenziale der Digitalisierung in der ambulanten Pflege herausgefunden werden.

Das Verbundprojekt entwickelt sowohl ein organisatorisches Gestaltungskonzept für die Digitalisierung der Arbeit als auch eine auf Praxistauglichkeit ausgerichtete Kommunikations-, Koordinations- und Lernsoftware. Das Ziel: Geräte und Software sollen beidem dienen, einer besseren Arbeitsqualität der Pflegekräfte und einer effizienten und effektiven Arbeitsorganisation.

Fünf Verbundpartner aus Forschung, Praxis und Lehre

Partner des IAW, das das Projekt koordiniert und die arbeitswissenschaftliche Expertise einbringt, sind für die Praxisseite die Bremer Pflegedienst GmbH und die Johanniter Unfall-Hilfe e.V. Darüber hinaus beteiligt sind die Qualitus GmbH, die die Software entwickelt, und die Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer Bremen gGmbH, die Lehr- und Lernkonzepten erstellt.

Dieser Artikel ist zuert erschienen bei www.i2b.de